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Mord an Politkowskaja auch nach drei Jahren nicht aufgeklärt

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Mord an Politkowskaja auch nach drei Jahren nicht aufgeklärt

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Es war gegen 17 Uhr an jenem 7. Oktober vor drei Jahren, als eine Nachbarin die tote Anna Politkowskaja fand. Im Fahrstuhl ihres Wohnhauses in der Moskauer Lesnaja-Straße. Morddrohungen hatte die Journalistin schon mehrfach bekommen. Zwei Jahre zuvor konnte sie gerade noch ohnmächtig in ein Krankenhaus gebracht werden, nachdem sie den ihr im Flugzeug servierten Tee getrunken hatte.

Politkowskaja war eine Unbequeme. Sie recherchierte und publizierte während des Tschetschenienkrieges Informationen, die im Widerspruch standen zu offiziellen Darstellungen. In ihren Berichten war von Verbrechen der russischen Armee, von Raub, Folter und Korruption die Rede. Der damalige Präsident Putin, an dessen Gebutstag der Mord geschah, äußerte sich erst 3 Tage später in Berlin. Er sagte, egal wer dahinterstecke, mit welchen Motiven auch immer, es sei ein schreckliches Verbrechen, das auf keine Fall ungesühnt bleiben dürfe. Die Überwachungskamera am Hauseingang hatte aufgezeichnet, wie dieser Mann um die fragliche Tatzeit das Haus verließ. Gefunden wurden vier Patronenhülsen aus einer “Makarow”. Der Verdächtige konnte sich ins Ausland absetzen. Seine mutmaßlichen Komplizen verließen nach drei Monaten Prozeß lachend das Gericht. Freispruch. Seit dem 5. August wird der Prozeß neu aufgerollt. Auf Grund von “Verfahrensfehlern” hat der Oberste Gerichtshof die Freisprüche der Brüder Machmudow und eines ehemaligen Polizisten aufgehoben. Auf die Frage, wie es komme, dass sie noch am Leben sei, sagte Anna Politkowskaja einmal: “Wenn ich wirklich darüber nachdenke, halte ich es für ein Wunder.” Noch in ihrem letzten unvollendeten Artikel hatte sie Gewalttaten tschetschenischer Militärs gegen die eigene Zivilbevölkerung enthüllt. Diese Arbeit führte ihre Kollegin Natalia Estemirowa weiter. Sie starb vor drei Monaten in Grosny. Ein Moskauer Gericht verurteilte die Menschrechtsorganisation “Memorial” zu einer Geldstrafe, weil sie den tschetschenischen Präsideten Ramsan Kadyrow für diesen Mord verantwortlich macht.