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Ost-Jerusalem - der umstrittene Ort

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Ost-Jerusalem - der umstrittene Ort

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Im Süd-Osten der Altstadt von Jerusalem liegt jener Hügel, an dem sich wie an keinem anderen Ort religiöse Gefühle und damit Konflikte ohne Ende entzünden. Der Tempelberg. Auf dem künstlichen errichteten Plateau an seinem Gipfel stand ursprünglich der Tempel des Salomon. Sechs Jahrhunderte nach der Vertreibung der Juden errichteten dort die Moslems die al-Aqsa-Moschee, die heute als drittheiligste Stätte im Islam gilt.

Nur wenige Meter darunter beten Juden an der Klagemauer. Sie ist ein Überrest jener Mauern, die einst das Tempel-Plateau stützten. Wie problematisch dieser Ort ist, zeigte sich im September 2000, als der damalige Führer der konservativen israelischen Likud-Partei, Ariel Scharon, demonstrativ zum Tempelberg hinaufstieg. Die Folgen gingen unter dem Namen “2. Intifada” in die Geschichte ein. Scharons Auftritt, mit dem er Israels Anspruch unterstreichen wollte, stand im Gegensatz zur Entscheidung von Moshe Dayan, bei der Eroberung Ostjerusalems im “Sechs-Tage-Krieg” von 1967, keine israelischen Flaggen auf dem Tempelberg zu hissen. Der damalige Verteidigungsminister hatte zwar erklärt: “Wir sind zurückgekommen an unsere heiligen Stätten, die wir nie mehr verlassen werden”. Als weitere Geste die Flagge mit dem Davidsstern zu hissen, darin sah Dayan eine überflüssige Provokation der Palästinenser, die er vermeiden wollte. Unmittelbar nach der Gründung Israels war Ost-Jerusalem völkerrechtswidrig von Jordanien besetzt worden. Doch auch die israelische Position, per Gesetz die Annexion des 1967 eroberten Gebietes festzuschreiben, wird von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt. Der UN-Sicherheitsrat hat die Annexion verurteilt. Aus palästinensischer Sicht gilt Ostjerusalem unter dem arabischen Namen al-Quds als die Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates. Verschärft werden die Spannungen durch den Bau neuer jüdischer Siedlungen, die immer näher an das arabische Viertel heranrücken.