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Armenien und Türkei auf versöhnlichem Wege?

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Armenien und Türkei auf versöhnlichem Wege?

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Es ist eine der international wenig beachteten Stachel-Draht-Grenzen, die auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch Menschen und Völker voneinander trennen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende 1991 schloß die den islamischen Brüdern in Aserbaidschan näherstehende Türkei ihre Grenze zu Armenien.

Den Grund lieferten die Konflikte um die Region Berg-Karabach. Das ist eine mehrheitlich von Armeniern bewohnte Enklave in der Republik Aserbaidschan. Der Konflikt geht wie viele auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR weit zurück bis zu den Expansionsbestrebungen russischer Zaren im 19. Jahrhundert. Traurige Berühmtheit erlangte dieser Völkerbrand 1988 als die erste militärische Auseinandersetzung innerhalb der noch bestehenden Sowjetunion, die die schon schwächelnde Zentralgewalt nicht mehr unter der Decke halten konnte. Nach der Unabhängigkeit wurde ein richtiger Krieg daraus. Seit dem Waffenstillstand 1994 scheiterten diverse Versuche, den Konflikt zu lösen. Die Türkei schlug sich dabei immer auf die Seite ihrer aserbaidschanischen Glaubensbrüder, was den “Vertrag von Zürich fast hätte scheitern lassen. Am Ende überwand wohl vor allem die Vermittlungskunst von US-Außenministerin Hillary Clinton die Hürden, die Nationalisten beider Seiten errichtet hatten. Etwas Normalität mehr, ein Krisenherd weniger – das nützt am Ende beiden Unterzeichnern. Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan sagte zwar anschließend in einer Pressekonferenz, ohne armenischen Rückzug von asebaidschanischem Boden werde die Türkei keine positive Haltung zum eben geschlossenen Vertrag einnehmen können. Das könnte man als Nachsatz zur Beruhigung der eigenen Anhänger verstehen, nachdem beide Seiten in Zürich am Ende auf interpretierende Reden verzichtet hatten. So war in Zürich auch der Völkermord nicht zur Sprache gekommen, den 1915 Truppen des untergehenden Osmanischen Reiches am Armeniern verübt hatten. Und den das offizielle Ankara bis heute leugnet. Wenn die Türkei ihre Rolle als Drehkreuz für Energie- und Handelsströme in der Region ausbauen will, könnte ihr Armenien ein günstig gelegener Partner werden.