Eilmeldung

Eilmeldung

Jacques Diouf kämpft gegen den Hunger

Sie lesen gerade:

Jacques Diouf kämpft gegen den Hunger

Schriftgrösse Aa Aa

Weltweit werden 1,34 Billionen Dollar jedes Jahr für Waffen und Militär ausgegeben, während der Hunger das Leben von einer Milliarde Menschen zerstört. Mit diesem Video macht UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft auf die Nahrungskrise aufmerksam.

Chef der Organistion ist Jacques Diouf. Er fordert mehr Geld im Kampf gegen den Hunger. Seiner Meinung nach brauchen arme Länder eine jährliche Unterstützung von 44 Milliarden Dollar statt derzeit gut sieben Milliarden Dollar. euronews-Reporterin Dulce Dias traf Jacques Diouf in Paris. Dort bekam er einen Scheck überreicht. Der französische Fußballverband spendete 10.000 Euro. euronews Danke, dass Sie bei uns sind. Jacques Diouf Vielen Dank für die Einladung. euronews Über sechs Milliarden Menschen leben auf der Erde. Warum hungern so viele? Jacques Diouf Es hungern so viele, weil man nicht genug in die Landwirtschaft von armen Ländern investiert. Weltweit hungern jetzt leider eine Milliarde Menschen. euronews Die meisten der armen Länder befinden sich in Afrika. Dabei ist der Kontinent doch so fruchtbar? Jacques Diouf Sie haben Recht, die Ressourcen sind da. Beim Wasser zum Beispiel ist es so: Afrika nutzt für die Landwirtschaft nur vier Prozent der verfügbaren und erneuerbaren Ressourcen an Wasser. Beim Ackerland werden nur sieben Prozent bewässert. Das bedeutet: Bei den restlichen 93 Prozent hängt die Produktion vom Regen ab. Mal regnet es nicht, dann regnet es zu viel oder es regnet zu spät für eine gute Ernte. euronews Es wird davon ausgegangen, dass neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 auf der Erde leben werden. Das Problem, dass Menschen hungern, könnte sich weiter fortsetzen. Wie kann man es lösen?Vielleicht mit Hilfe der Gentechnik, indem Pflanzen zum Beispiel weniger Wasser brauchen? Jacques Diouf Man sollte den Zugang zum Wasser verbessern. Dann sollte man in Lagerhallen und Silos investieren, denn bei der Produktion gehen 40 bis 60 Prozent verloren. Es fehlt auch an guten Möglichkeiten zur Konservierung von Produkten. Und in den Bau von Landstraßen muss auch Geld fließen. Wie will man die modernen Dinge hinbringen, wie Düngemittel, Saatgut oder Vieh, wenn es keine Straßen gibt. Wie sollen die Produkte zum Markt transportiert werden, wenn es keine Straßen gibt. Um diese Fragen wird diskutiert werden müssen bevor wir über genetisch veränderte Organismen reden. euronews Wer muss denn investieren? Jacques Diouf Zuerst sind die Regierungen und die Menschen dort verantwortlich. Es ist zuerst eine Frage, ob das nationale Budget helfen kann. Wenn ein Land Probleme mit Nahrungsmitteln hat, sollten Mittel bereitgestellt werden. Aber auch die Industrieländer sind in der Verantwortung. Leider fließt immer weniger Entwicklungshilfe in die Landwirtschaft. euronews Es gibt mehrere Probleme: Denken wir an die Nachfrage nach Wasser, den Klimawandel oder die Dürreperioden. Müssen europäische oder westliche Länder mit einer massiven Ankunft von Hungerflüchtlingen rechnen? Jacques Diouf Wenn man nicht die Mindesvoraussetzungen zum Überleben vorfindet, dann ist es für das menschliche Wesen ganz natürlich, was neues zu finden. Man will atmen, trinken, essen. Natürlich werden Menschen nach Europa kommen. Sie wissen doch sicherlich noch, dass viele Iren wegen der Kartoffelkrise in die USA gingen. Viele Italiener versuchten auch in Argentinien und im Rest von Europa ihr Glück, als es in Italien eine Nahrungskrise gab. euronews Jeder spricht über den Kimawandel. Sollte man genauso viel über den Hunger sprechen? Jacques Diouf Allerdings. Wir rechnen mit den Medien. Man muss das Thema mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken. Und zwar genauso, wie man es mit der Politik macht. Die Mittel sind ja da. Die Länder der OECD geben im Jahr insgesamt 365 Milliarden Dollar für die Unterstützung der Landwirtschaft aus. Dabei arbeiten in diesem Sektor nur zwei bis vier Prozent der Bevölkerung. In den Ländern der Dritten Welt sind es aber 60 bis 80 Prozent. Für die Entwicklungshilfe braucht man 44 Milliarden Dollar im Jahr. Jedes Jahr werden 1,34 Billionen Dollar für Waffen ausgeben. Kann man nicht 44 Milliarden Dollar für das Leben ausgeben? Es ist auch ein ethnisches und moralisches Problem. Und ein es ein politisches Problem. Wir hoffen, es gibt jetzt ein größeres Bewußtsein. Leider hat es wieder in 22 Ländern Unruhen und Tote gegeben. Das Nahrungsmittelproblem hat auch was mit Solidarität zwischen den Menschen zu tun. Und es ist auch für den Frieden und die Sicherheit auf der Welt wichtig. euronews Sie haben einen Scheck über 10.000 Euro vom französischen Fußballverband bekommen. Ist es nicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Jacques Diouf Es ist eine kleine Tat mit einer großen Wirkung. Vor allem für die Bewußtseinsbildung. Es ist nämlich wichtig, dass sich Sportler für das Hungerproblem interssieren. Sie können die Bedeutung des Sports nutzen, um die Menschen zu sensibilisieren. Man kann nicht Sportler sein, wenn man Hunger hat.