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Lukoil will am Raffineriemarkt mitspielen

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Lukoil will am Raffineriemarkt mitspielen

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Der größte private russische Ölkonzern Lukoil expandiert stark in Richtung Westeuropa. 2009 übernahm das Unternehmen 49 Prozent einer Raffinerie in Sizilien und 45 Prozent einer Raffinerie in den Niederlanden.

Die Ölindustrie wird in Russland von staatlicher Seite als ‘strategisch’ definiert. Auch als einer der reichsten Männer der Welt ist Wagit Alekperow nicht vor Kontrollen sicher. Aber durch seine Erfahrung als hoher Sowjetfunktionär scheint es, dass er in Russland wie ein Fisch im Wasser schwimmt. Wagit Alekperow im Gespräch mit euronews-Reporterin Natalia Marshalkovich. euronews: “Herr Alekperov, willkommen bei Euronews! Lukoil ist international sehr aktiv. Vor kurzem haben Sie dem französischen Ölkonzern Total eine hohe Beteiligung an einer niederländischen Ölraffinierie abgekauft. Was kommt als nächstes?” Wagit Alekperov: “Lukoil versucht ein wirkliches Programm strategischer Entwicklung umzusetzen: Wir wollen Teil der Ölraffinierung in Europa sein! Das heißt, wir möchten im Bereich der Logistik und der Produktion in der Lage sein, sowohl den europäischen Markt mir Rohöl zu versorgen, als auch Öl zu raffinieren und den Endverbraucher zu beliefern. Zur Zeit verhandeln wir und bauen Kontakte auf. Wir wollen nichts überstürzen. Aber wir denken, dass die Krise, die die Märkte erlebt haben, unserem Unternehmen die Möglichkeit gibt, seine Ziele zu verfolgen. Die Gewinnmargen bei der Raffinierung in Europa sind im Augenblick sehr gering. Darum wird wenig in Raffinerien investiert. Für unser Unternehmen, dass am gesamten Produktionszyklus beteiligt ist, bedeutet das eine Gelegenheit, die modernsten Raffinerien in Europa zu schaffen.” euronews: “Das heißt, dass die Krise für Sie positiv war?” Alekperov: “Wir haben fast 10 Jahre lang versucht, Raffinerien zu erwerben. Wegen der Krise haben wir nun zwei gleichzeitig gekauft – genau da, wo wir sie brauchten: eine in Augusta, in Sizilien, wo wir ein sehr hochwertiges Rohöl aus dem Ural anliefern, und nun eine in den Niederlanden, wo unsere nördlichen Erdöllieferungen zusammenfließen.” euronews: “Wie viel Reserven hält Lukoil für ausreichend? Und was tun sie zur Diversifizierung der Energiequellen?” Alekperov: “Lukoil hat weltweit die größten Reserven: rund 20 Milliarden Barrel Rohöl und Gas. Und wir kompensieren versiegende Quellen, indem wir neue Gebiete erwerben und neue Ölfelder eröffnen. In den letzten Jahren konnten wir diesen Weg mit Hilfe unserer Geologen einschlagen. Heute haben wir geologische Möglichkeiten, die es uns erlauben Ölfelder wir im nördlichen kaspischen Meer zu erschließen, die vorher nicht viel versprechend schienen. Allein in der russischen Föderation eröffnen wir jährlich zwischen 15 und 20 neue Ölfelder. Und unsere Geologen beginnen Prospektionen im östlichen Afrika. Als Chef des Unternehmens setze ich das Ziel, die Reserven zu füllen. Gleichzeitig beginnen wir auch Projekte im Zusammenhang mit alternativen Energiequellen. Aber ich möchte unterstreichen, dass solche Quellen nur mit staatlicher Hilfe entwickelt werden können. In meinem Land gibt noch keine regeln für solche Hilfen.” euronews: “Sie wissen natürlich, dass der Kampf gegen die Erderwärmung und der Weg zu einer Wirtschaft, die wenig CO2 ausstößt heißdebatierte Themen. Welche Rolle könnte ein Unternehmen wie ihres in einer solchen Wirtschaft spielen?” Alekperov: “Ich glaube, dass wir noch lange fossile Brennstoffe verwenden werden, weil die Weltbevölkerung ständig wächst, und weil die Bevölkerung immer mehr Brennstoffe braucht. Alle großen Länder sind mittlerweile Teil dieses Prozesses. Auch Indien und China, wo es früher viel weniger Privatfahrzeuge gab, werden Großverbraucher. Unser Geschäft wird sich noch jahrelang weiterentwickeln. Aber es gibt andere Faktoren, wie Umweltprobleme, vor allen in den größeren Städten, die lieber saubere Energie verwenden möchten. Das sind Faktor, die berücksichtigt werden müssen. Aber man kann nicht von einem Extrem zum anderen gehen, wir brauchen eine schrittweise Entwicklung zu grüner Technologie, zu alternativen Energiequellen… Dennoch gibt es weiter ein großes Potenzial, mit neuen Technologien die Ölfelder besser auszubeuten. Fast 50 Prozent des Erdöls steckt immer noch in den Böden!” euronews: “Sie arbeiten in einem Industriezweig, den die Regierung schon immer als ‘strategisch’ definiert – und in dem er seine Präsenz in den vergangenen Jahren klar erhöht hat. Wie erreichen sie eine ausgewogene Arbeitsbeziehung mit dem Staat?” Alekperov: “Eine empfindliche Frage! Wahrscheinlich spielt da auch meine eigene Erfahrung hinein: Ich arbeitete einst an der Spitze des Öl- und Gasministeriums der Sowjetunion. Ich war für das gesamte Öl verantwortlich, das in der UdSSR hergestellt wurde! Meine früheren Beziehungen zur politischen Spitze sind immer noch wichtig, aber noch wichtiger sind unsere Ergebnisse! Was Lukoil in der Lage ist, zu erreichen! Wir arbeiten jetzt schon nach den Prinzipien einer multinationalen Unternehmens – wir sind weltweit in 42 Ländern vertreten! Dennoch ist unser Zugang zu russischen Ölfeldern de fakto beschränkt. Nach der russischen Verfassung sowie nach den Gesetzen der russischen Föderation sind private und staatliche Firmen gleichgestellt und es würde der russischen Wirtschaft Schaden zufügen, wenn erneut getrennt werden würde zwischen privaten und staatlichen Unternehmen. Wir sind alle wichtig für die russische Wirtschaft!”