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2. Wahlgang im Eiltempo in Afghanistan

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2. Wahlgang im Eiltempo in Afghanistan

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Kaum mehr als zwei Wochen bleiben für die Vorbereitung der Stichwahl zwischen diesen beiden Männern. Präsident Hamid Karsei oder Ex-Außenminister Abdullah Abdullah lautete die Frage im Wahlhgang am 7. November. Wie es aus Kabul heisst, sei das der letztmögliche Zeitpunkt, bevor der Winter landesweite politische Aktivitäten unmöglich macht.

International erntete Präsident Karsei viel Lob für seine Entscheidung, sich nun doch einer Stichwahl zu stellen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von einer “wertvollen, aber schmerzhaften Lektion”, die man aus dem ersten Wahlgang mit den viele Fälschungsvorwürfen gelernt habe. Karsei habe mit seiner Entscheidung Führungsstärke bewiesen. An Stärke bei der Abwehr der immer zahlreicher werdenden Attentäter mangelt es allerdings sogar in Kabul vor Karseis Haustür. Fünf Anschläge allein seit dem ersten Wahlgang am 20. August – das schafft Angst und Unsicherheit. Die ohnehin schon niedrige Wahlbeteiligung von 38,7 Prozent im ersten Wahlgang dürfte unter solchen Bedingungen noch weiter sinken. Ganz zu schweigen von den Organisationsproblemen. Wegen der Fälschungsvorwürfe sind rund 200 Distriktchefs abgesetzt worden. Das ist etwa die Hälfte. Wie so schnell neue Verantwortliche benannt werden können, darüber war aus Kabul noch nichts zu hören. Aus Washington kommt die Meldung, US-Präsident Barack Obama könnte eventuell noch vor dem zweiten Wahlgang bekanntgeben, ob bzw. in welcher Höhe er wann die US-Truppen in Afghanistan aufstocken will. Das Wort des amerikanischen Präsidenten hätte natürlich Einfluß auf die Wahlentscheidung vieler Afghanen. Der US-Oberkommandierende vor Ort hatte 40.000 Mann zusätzlich verlangt, um die Sicherheitslage spürbar verbessern zu können. Beobachter sind sich da mit ihren Einschätzungen der Erfolgsaussicht keineswegs einig. Der Politik-Wissenschaftler Greg Austin aus Brüssel nennt eine “ Afghanisierung” den einzig gangbaren Weg.” Das Volk von Afghanistan müsse selbst verantwortlich handeln, um den Krieg zu beenden, natürlich mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Man müsse aber vorsichtig umgehen mit dem Wort “Afghanisierung”, das setze eine ausreichende Polizeipräsenz voraus. Mit “breiter internationaler Unterstützung” ist natürlich auch die NATO gemeint. Ihre Strategie hängt direkt von der amerikanischen Entscheidung ab. Darüber wird NATO-Generalsekretär Rasmussen am Freitag mit den Verteidigungsministern des Bündnisses beraten. Und unter den NATO-Partnern herrscht keineswegs Einigkeit. Italien und Großbritannien könnten ihre Kontingente um jeweils 500 Mann aufstocken. In anderen Ländern ist die öffentliche Meinung höchst lautstark dagegen.