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Nicht nur Völkermord: Karadzic-Prozess beginnt

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Nicht nur Völkermord: Karadzic-Prozess beginnt

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Heute startet vor dem UN-Strafgerichtshof in Den Haag der Prozess gegen Radovan Karadzic. Dem einstigen politischen Führer der Serben in Bosnien-Herzegowina werden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in elf umfangreichen Fällen vorgeworfen.

Karadzic will den Prozessauftakt boykottieren und in seiner Zelle bleiben. Seiner Meinung nach hatte er nicht genug Zeit, seine Verteidigung vorzubereiten. Sein Bruder sieht das genauso, er sagt: “Es ist normal, dass er nicht vor Gericht erscheinen kann. Wenn man beachtet, wie viele Aktenberge er durcharbeiten muss, ist es für ihn unmöglich, sich adäquat vorzubereiten.” Angehörige von Massaker-Opfern sind aus Bosnien zum Prozessauftakt nach Den Haag gekommen. Sie hoffen 14 Jahre nach Kriegsende auf Gerechtigkeit. Eine Frau erklärt: “Im Juli 1995 wurde meine komplette Familie ermordet. Meine beiden Söhne, mein Ehemann, meine beiden Brüder, die Söhne meiner Brüder. Ich weiß, dass ich sie nicht wiederhaben kann, aber ich möchte die Gewissheit, dass die Verantwortlichen dafür verurteilt werden.” Karadzic muss sich für die Massaker an bis zu 8000 Muslimen in Srebrenica verantworten und für die Tötung von Tausenden Zivilisten während der Belagerung Sarajevos. Ihm droht lebenslange Haft. Er bestreitet die Vorwürfe.