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Karadzic boykottiert Verfahren

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Karadzic boykottiert Verfahren

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Der ehemalige Führer der bosnischen Serben Radovan Karadzic hat angekündigt, dem Völkermord-Prozess vor dem internationalen Strafgerichtshof weiter fernbleiben zu wollen.

Sein Rechtsbeistand erklärte: “Karadzic wird auch morgen nicht vor dem Gericht erscheinen. Dies ist kein Boykott,- er konnte sich einfach nicht genug vorbereiten.” Das Gericht im niederländischen Den Haag entschied jedoch, den Prozess trotz der erneuten Boykott-Ankündigung des Angeklagten fortzusetzen. Sollte er auch am zweiten Prozesstag nicht erscheinen, muss das Gericht entscheiden, ob es für Karadzic, der sich selbst verteidigt, einen Pflichtverteidiger bestellt oder den Prozess vertagt. Angehörige der Opfer des Massakers von Srebrenica sind empört: “Man sollte Karadzic zu diesen Gräbern bringen, nicht nach Den Haag. Man sollte ihn direkt hier bei den Gräbern aufhängen!” In der serbischen Hauptstadt Belgrad hingegen, ziehen die Menschen die prinzipielle Zuständigkeit des internationalen Gerichtshofes in Zweifel: “Warum sollte er sich dort zeigen? Er bekommt sowieso kein faires Verfahren und ein ordentliches Gericht ist es auch nicht.” Der internationale Gerichtshof wirft Karadzic, zahlreiche Kriegsverbrechen vor. Auch für das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995, wird Karadzic zusammen mit dem noch immer untergetauchten Serbengeneral Ratko Mladic,verantwortlich gemacht. Bei der Mordaktion kamen bis zu 8.000 muslimische Bosniaken ums Leben.