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Mauretanien und der Kampf gegen den Terrorismus

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Mauretanien und der Kampf gegen den Terrorismus

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Mauretanien liegt im Nordwesten Afrikas am Atlantik. Hier treffen das arabische Nordafrika und Schwarzafrika aufeinander, ein Land der Kontraste. Mauretanien ist ein Wüstenstaat, der Sand breitet sich unaufhaltsam aus und reicht bis in die Haupstadt Nouakchott. Die Präsidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien, Mali und Senegal und befindet sich somit im sogenannten Dreieck des Terrorismus. Es ist sehr schwer dieses Gebiet militärisch zu kontrollieren. Rund drei Millionen Menschen leben in Mauretanien, die Bevölkerung setzt sich zusammen aus Arabern, Berbern und Schwarzafrikanern. Landesreligion ist der Islam. Früher sagte man Mauretanien sei das Land der tausend Dichter, heute ist es das Land der tausend Putschs.

1960 erlangte Mauretanien seine Unabhängigkeit, seitdem kam es zu fünf Staatsstreichen. Der aktuelle Präsident, General Oueld Abdel Aziz kam ebenfalls durch einen Putsch an die Macht. Im August 2008 stürzte er den gewählten Präsidenten Sidi Oueld Cheikh Abdallah, ihm wurde seine schwache Persönlichkeit vorgeworfen und seine Unfähigkeit dem Terrorismus ein Ende zu bereiten. Er erklärte: “Der oberste Rat legt den Schwur ab, vor Gott und vor euch, alle Probleme des Landes zu lösen. Die Truppen der Armee und der Sicherheit sind solidarisch mit der Demokratie in diesem Land.” Die Opposition, angeführt von Ahmed Oueld Dada protestierte gegen den Staatstreich und ging auf die Straßen. Sie forderte eine Rückkehr zur Demokratie. Die Abgeordnete Maalouma Bint Al-Meddah sagte: “Mauretanien verdient freie Wahlen, bei denen die Gesetze unsere Verfassung berücksichtigt werden. Wir wollen unsere Regierung zusammenstellen und unsere Souveränität bewahren. Wir sind heute alle hier versammelt. Das mauretanische Volk ist vereint.” Bei den Präsidentschaftswahlen, die ein Jahr später stattfanden, im August 2009, gewann der General Oueld Abdel Aziz. Er versprach gegen den Terrorismus vorzugehen. Nur zwei Tage nach seiner Amtseinführung gab es einen Selbstmordanschlag vor der französischen Botschaft, zwei Wachmänner und eine Passantin wurden verletzt, der Kamikaze starb vor Ort. Der Selbstmordattentäter stammte aus dem Armenviertel der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott. Wer hier geboren wird hat wenig Chancen darauf, der Armut eines Tages zu entkommen. Ohne Zukunftsaussichten wenden sich hier manche junge Männer dem Terrorismus zu. Ein Einwohner des Viertels erzählt: “Wir leben hier zu fünft seit 21 Jahren. Der Staat weiss nichts von unserem Elend, von der Armut hier. Wir leben wie die Tiere und haben kein richtiges Dach über dem Kopf.” Der Vater des Selbstmordattentäters war bereit mit uns zu sprechen und empfing uns in seinem Haus. “Warum hat ihr Sohn diese Tat begangen?” “Die Geschichte fing vor einem Jahr an, mein Sohn kam zu mir und sagte mir, dass er nach Senegal geht, um dort zu studieren. Danach haben wir nichts mehr von ihm gehört, wir wussten nicht ob er tot oder lebendig war. Wir waren auf seine Hilfe angewiesen.” “Wie haben sie von dem Anschlag erfahren?” “Wir wussten nichts davon, bis die Polizei um halb sechs Uhr morgens bei uns angeklopft hat.” “Hatten sie bei ihrem Sohn eine Veränderung in seinem Verhalten bemerkt?” “Wenn ich etwas bemerkt hätte, hätte ich gehandelt. Ich hätte es nicht zugelassen, dass mein Sohn eine solche Tat begeht. Ich hätte ihn angezeigt. Es ist meine Pflicht die Polizei zu informieren.” “Sie hätten ihn wirklich angezeigt?” “Natürlich. Ich hätte es getan, wenn ich auch nur den geringste Veränderung in seinem Verhalten bemerkt hätte.” Der Euronews Journalist Riad Muasses fasst zusammen: “Hier nimmt die Geschichte von Moussa Ben Zaidan ihren Anfang. Vor der französischen Botschaft zündete er seinen Sprenggürtel.” In Aleg, eine Stadt im Süden des Landes, forderte der Terrorismus weitere Opfer. Bei einem Terroranschlag, einen Tag vor Weihnachten im Jahr 2007, starben vier Mitglieder einer französischen Familie, das fünfte wurde schwer verletzt. Doch der Terrorismus hatte in Aleg wenig Anhänger. Die Einwohner der Stadt sind nach den Anschlägen auf die Strasse gegangen und haben aus Solidarität eine französische Flagge hochgehalten. Stellt sich die Frage: warum sich die Terroranschläge gegen Frankreich richten? Der mauretanische Terror Experte Mohammed Abou Al-Maali erklärt: “Die mauretanische Regierung unterhält Beziehungen mit westlichen Staaten, und u.a. mit Frankreich. Diese Beziehungen könnten sich zu einer Allianz entwickeln. Frankreich wird angesichts seiner Kolonialgeschichte von der “bewaffneten islamischen Gruppe Algeriens” als ein Verbündeter der mauretanischen Regierung gesehen, die sich nach der Unabhängigkeit gebildet hat.” Die Terroranschläge richten sich nicht nur gegen Franzosen. Juli 2008 wurde der Amerikaner Christoph Lekate mitten im Zentrum von Nouakchott getötet. Die mauretanischen Sicherheitseinheiten konnten vier Tage nach dem Anschlag den Anführer der verantwortlichen Terrorgruppe festnehmen. Der Direktor der mauretanischen Staatssicherheit, Mohammed Al-Amin Oueld Al-Ahmed sagte: “Der militärische Einsatz erfolgte nach einer langen Überwachung von Mitgliedern der Al Quaida Gruppe des islamischen Maghrebs. Diese Mitglieder wurde schon seit langem in Nouakchott überwacht.” Bei dem Einsatz wurden Sprengstoffgürtel und ein Waffen Arsenal sichergestellt. Mauretanien und Frankreich wollen den Terrorismus verstärkt und gemeinsam bekämpfen. Die Europäische Union hat Hilfe zugesagt.