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Mauerfall - verschiedene Sichtweisen, 20 Jahre danach

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Mauerfall - verschiedene Sichtweisen, 20 Jahre danach

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November ´89 – Mauerfall. Wenn in diesen Tagen auch auf allen Sendern die Jubelbilder überwiegen – es gibt auch Verlierer, die auch 20 Jahre später nicht jubeln. Zuerst natürlich diejenigen, die für die Existenz der Mauer verantwortlich waren. Egon Krenz etwa, der einen knappen Monat zuvor Honecker in dessen Partei- und Staatsfunktionen nachgefolgt war. Er gehört zu den wenigen hohen Verantwortlichen der DDR, die nach der Wiedervereinigung in den sogenannten “Politbüro-Prozessen” zu einer Gefängnisstrafe verurteil wurden und diese auch teilweise absitzen mussten. Er sagt 2009: “Jetzt, 20 Jahre später, haben DDR-Bürger, die hier mal gelebt haben, die Möglichkeit zu vergleichen. In der DDR hat´s Errungenschaften gegeben, die wir heute gerne hätten. Arbeitsplatz für jeden, ein Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Universität, Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.”

Diese Bilder stammen von der Westseite des Brandenburger Tores, wo in der historischen Nacht sicht begeisterte junge Leute auf die Mauer schwangen – und sich DDR-Wasserwerfer als zu schwache letzte Waffe erwiesen. Damals war Hans-Dietrich Genscher Außenminister in der Regierung Kohl. Er sagt 2009 im Rückblick: “ Der Prozeß musste ein langwieriger sein. Das ist ganz klar. Man kann 40 Jahre sozialistischer Fehlentwicklungen nicht über Nacht korrigieren. Das hat Enttäuschungen hervorgerufen. Trotzdem ist der Prozeß der inneren Vereinigung sehr viel weiter.” Man müsste diese Menschen heute fragen können. Da freuten sich die aus dem Westberliner Stadtteil Rudow auf ihre Nachbar aus dem den östlichen Johannistal. Auf ihren Schildern stand im November 1989: “Rudow grüßt Johannistal” und “Brücken verbinden” Brücken verbinden – wen? Und unter welchen Bedingungen? Für Egon Krenz überwiegt nach wie vor das Trennende. “ Jetzt 20 Jahre danach, so ist jedenfalls meine Meinung, ist Deutschland zumindest sozial und mental wesentlich dort gespalten, wo die Staatsgrenze zwischzen beiden Ländern verlief.” Der ehemalige westdeutsche Au’enminister Genscher sagt: “ Natürlich ist das auch generationenabhängig. Ich habe immer wieder erlebt, auch bei meinen Vorlesungen und Vorträgen, dass jüngere Menschen vor Augen haben eine gemeinsame Zukunft. Für die ist die getrennte Entwicklung der vorherigen Generationen nicht entscheidend.” Touristen halten sich heute an die East-Side-Gallery an der Mühlenstraße. Das ist ein Rest der Hinterland-Mauer. Die sollte DDR-Bürger daran hindern, überhaupt bis an die eigentliche Grenze vordringen zu können. Hier konnten im November ´89 auch endlich Ost-Künstler zu Pinsel und Spühdose greifen. Und zum 20. Jahrestag wurden die Farben aufgefrischt, auf dass die Erinnerung nicht verblasse.

Die Berliner Mauer: de.euronews.net/1989-2009