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Terrorismusgefahr in Mauretanien

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Terrorismusgefahr in Mauretanien

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Nachdem Tunesien in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit Terrorismus zu kämpfen hatte, der sich dann in in den Neuziger Jahren nach Algerien und Marokko ausweitete, kam der Terrorismus im Jahr 2005 auch in Mauretanien an. Am 4. Juni 2005 verübten 150 Terroristen einen Anschlag auf eine Militärkaserne nahe Lemgheity. Die Bilanz: 15 Tote, 15 Verletzte auf seiten der Militärs, sechs tote Terroristen. Dieser Anschlag wurde von den politischen Parteien des Landes verurteilt. Die Bevölkerung ging auf die Strassen um gegen den Terrorismus zu protestieren.

Nur zwei Tage später startete die amerikanische Verwaltung die Operation flintlock. Die USA wollen Mauretanien zu einem Bollwerk gegen den terrorismus ausbauen. Flintlock war schon zuvor vom Regionalkommando der US Streitkräfte vor Ort, der Africom, zusammen erarbeitet worden. Frankreich, das sich gegen die Ausweitung amerikanische Aktivitäten im eigenen Einflussbereich zunächst sträubte, akzeptierte schliesslich widerwillig. Allerdings, nachdem General Abdel Aziz in einem Staatsstreich die Macht in Mauretanien an sich gerissen hatte, stoppten die USA jegliche Militärkooperation mit dem Land. Die Beziehungen beider Länder verschlechterten sich. Die amerikanischen Manöver hatten keinen Erfolg, die Wurzeln des Terrors auszureissen. Die zweite Operation am 27 Dezember 2007 fand in der Region Ghalaouiya statt. Die Bilanz: drei tot Soldaten. Am ersten Februar 2008: der Anschlag auf die israelische Botschaft in der Hauptstadt Nouakchott. Nie zuvor war sie Ziel von Terroristen, seit Mauretanien und Israel im jahr 1999 diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten. Die Bilanz: drei verletzte Franzosen. Der General Oeld Abdel Aziz befahl, die Botschaft zu schliessen, nachdem Israel Gaza bombardiert hatte. Am 16 september 2008 schlagen Terroristen erneut gegen das Militär zu. Eine Gruppe lockte in der Region von Tour in einen Militärtrupp in einen Hinterhalt. Die Bilanz: 12 Soldaten werden tot gefunden, mit abgeschlagenen Köpfen. Westliche Geheimdienste sind sich sicher: Al Quaida hat viele Schläfer in Mauretanien, die jederzeit in Aktion treten können, wenn Al Quaida es will. Die Sahelzone ist nun zum neuen Afghanistan für Al Quaida geworden. Alnaha Bint Djaddi Oueld Meknes Ist die Aussenministerin Mauretaniens. “Es gibt in Mauretanien weder Trainiscamps noch irgendwelche Gruppen, die Al Quaida nahestehen. Zweifellos existiert aber eine Infiltration aus den Nachbarländern und wir versuchen, dieses gefährliche Treiben zu stoppen. “ Informationsminister Mohamed Oueld Al Bukhari bestätigt gegenüber Euronews, alles sei unter Kontrolle. “Es gibt gut ausgerüstete militärische Einheiten, gut trainiert, die entlang der mauretanischen Grenzen patrouillieren und die Regionen schützen, die zum Ziel von Terroristen werden könnten. Alles in allem in Mauretanien ein sicheres und gut kontrolliertes Land.” Auf die Frage nach militärischer Zusammenarbeit und Sicherheit schweigt der Minister. der Grund: alle Fragen der Sicherheit werden wie Staatsgeheimnisse behandelt, wie eine rote Linie, die man nicht überschreiten darf. Frankreich fürchtet nun mehr denn je das Auftreten von Terrorismus und die heimliche Einwanderung, besonders nach dem Rückzug der Amerikaner. Daher haben die Franzosen einen hochrangigen Militär abkommandiert, um eine Kooperatioon in Sachen Sicherheit und Militär zwischen den beiden Ländern auf den weg zu bringen. Jean Louis Georgelin: “Wir haben zunächst mit der Generalität die Lage in der Region besprochen und besonders über die militärische Kooperation verhandelt, darüber, wie wir unsere bedien Armeen annähern können und es ging um Fragen der Ausbildung, die wir zusammen durchführen können.” Welche Rolle hat der Islam am Aufkeimen von Extremismus? Die Grosse Moschee im Zentrum der Hauptstadt. Die Gläubigen kommen von überall hierher, sie beten demütig und kehren zurück, von wo sie kamen. Kein Anzeichen von Extremismus während der Predigt. In Mauretanien gibt es eine islamische Partei, ihr stellvertretender Generalsekretär ist Mohamed Ghoulam Al Haj Sheikh Diejenigen, die Unschuldige in Algerien, in Mauretanien oder anderen Ländern töten, geben nur vor, es im Namen des Islam zu tun. Die Gelehrten haben stets betont, dass der Islam mit solchem Vorgehen nicht zu vereinbaren ist, der Islam stiftet also kaum zum Mord an. Der Islam ist weit von all dem entfernt, aber es gibt Unregelmässigkeiten auch in unserem Land – genau wie in westlichen Ländern. Die religiösen Gruppen der irischen Armee oder die christlichen Gruppen, die sich gegenseitig umbringen, das alles wurde doch niemals der christlichen Religion angelastet und niemand hätte im Traum daran gedacht mit dem Finger auf das Christentum zu deuten. Die christliche Religion hat niemals Menschen zum Morden angestiftet. Warum also die zwei Massstäbe? Die Aum-Sekte in Japan hat Tunnel in die Luft gejagt und an der Ermordung Hunderter Japaner teilgenommen. Warum beschuldigt man nicht die Buddhisten, der Urspung all dessen zu sein?Mauretanien ist ein armes Land. Der Präsident der fortschrittlichen Kräfte, glaubt jedoch, Armut allein ist nicht die Ursache für Terrorismus ist. Mohamed Oueld Mouloud: “Man kann nicht sagen, dass Armut die Ursache für Terrorismus ist. Denn Mauretanien ist, wie viele arabische Länder, arm. Aber bisher haben wir keine Spuren von Terror hier gesehen. Das Phänomen des Terrorismus ist in Afrika in mafiösen oder ähnlichen Gruppen entstanden. Es gibt auch Terrorbewegungen im Kongo oder den nichtmuslimischen Ländern in Südamerika oder Asien. Die Ressentiments ankern in den südlichen Ländern. Die muslimischen Länder sehen sich vielfach Problemem gegenüber wie etwa Demütigung oder Unrecht, etwa in Palästina, im Irak, in Afghanistan oder Tschetschenien. In diesen Ländern fühlen sich die Muslime gedemütigt und angegriffen.” Die mauretanische Presse, die ein wenig Freiheit in dem Land geniesst, bestätigt während unserer Dreharbeiten, dass der Kampf gegen den Terrorismus noch lange nicht gewonnen ist.