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Was machen Arafats Erben aus dem Erbe?

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Was machen Arafats Erben aus dem Erbe?

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29. Oktober 2004. Ramallah. In der Nacht zuvor hatte sich Arafats Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Der 75jährige hatte bereits eine Woche lang an einer Entzündung des Verdauungstraktes gelitten und deshalb nichts essen können. Sichtbar geschwächt flog er zur Behandlung nach Paris, von der er erst im Sarg zurückkehren sollte.

Um Arafats Todesursache ranken sich bis heute die unglaublichsten Gerüchte. Sie reichen von Vergiftung bis Aids. Vermutet wird, dass die PLO-Führung die Bekanntgabe seines Todes – oder auch das Abschalten der Geräte bei dem seit tagen im Koma liegenden Arafat – hinauszögerte, um erst intern die Nachfolge zu klären. Gelungen ist das offensichtlich nicht. Die Palästinenser sind tiefer denn je gespalten. Arafats offiziell gewählter Nachfolger Mahmut Abbas wird von der rivalisierenden Hamas nicht anerkannt. Vor zwei Jahren brach der offene Bruderkrieg aus. Seither regiert im Gazastreifen die Hamas und die international anerkannte Palästinenserbehörde unter Abbas hat nur noch im Westjordanland das Sagen. Daran konnten auch von der EU unterstützte internationale Vermittlungsbemühungen nichts ändern. Im Januar 2009 erlebte die ägyptische Hauptstadt Kairo viel Aufwand für so gut wie gar kein Ergebnis. Ein Palästinenser haut mit dem Schuh auf eine Abbas-Plakat ein. Diese Szene verdeutlich wohl am besten, wie schwach die Position des noch amtierenden Palästinenserpräsidenten Abbas ist. Auch US-Präsident Barack Obama hatte bislang leider so gar kein glückliches Händchen bei seinen Nahost-Bemühungen. Der palästinensische Politikwissenschaftler Nader Said sagt, die Palästinenser interessierten sich nicht mehr für Führer, die anscheinend von der internationalen Gemeinschaft gemocht und geduldet würden. Sie wollten jemanden, der ihre Lage wirklich ändern könne. Und da fallen dann Namen wie Marwan Barguti. In Israel wegen mehrerer Attentate zu lebenslänglicher Haft verurteilt, gilt er sehr vielen Palästinensern als d e r fähige und vor allem nicht korrupte Kandidat. Insider aus Kreisen der Fatah-Partei wollen wissen, dass Arafats Neffe Nasser Al Kidwa trotz diverser Korruptionsvorwürfe eine Chance habe. Sein Onkel hatte ihn für einige Zeit nach New York geschickt, um dort die PLO als Beobachter bei den Vereinten Nationen vertreten Aber all das sind Spekulationen.