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"Afrika will sich entwickeln, wie andere Länder auch"

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"Afrika will sich entwickeln, wie andere Länder auch"

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Der derzeitige Ministerpräsident Kenias, Raila Amolla Odinga war als Oppositionskandidat zu den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 angetreten. Die Ergebnisse waren schließlich umstritten: Die Wahlkommission erklärte Präsident Mwai Kibaki erneut zum Gewinner, während Odingas Anhänger von Wahlfälschung sprachen. Bei gewalttätigen Aufständen wurden anschließend fast 1500 Menschen getötet. Später einigten sich Odinga und Kibaki, die Macht zu teilen. Odinga selbst wurde Regierungschef. Heute sagt er, Afrika hat noch einen weiten Weg zur Demokratie vor sich. Aber als Nachbarland von Sudan und Somalia hat Kenia auch mit internationalen Konflikten zu tun.

Während eines Besuches in Paris, sprach er mit euronews-Reporter Olaf Bruns. Olaf Bruns, euronews: “Willkommen bei euronews, Herr Premierminster! Hat die Situation im Sudan einen Einfluss auf ihr Land, Kenia?” Raila Odinga: “Während des Bürgerkriegs im Süd-Sudan kamen viele Flüchtlinge nach Kenia, die immer noch da sind. Das Friedensabkommen schließlich wurde in unserer Hauptstadt Nairobi unterzeichnet. Kenia wünscht, dass dies Abkommen beachtet und respektiert wird!” euronews: “Ein anderes Krisengebiet an ihrer Grenze ist Somalia. Wie beteiligt sich Kenia am internationalen Kampf gegen die Piraten dort?” Odinga: “Somalia ist unsere Nachbar im Osten. Leider ist das Land seit 20 Jahren instabil. Es hat seither keine stabile Regierung gegeben! Somalia ist ein Beispiel eines gescheiterten Staates. Die Seeräumerei ist eine Folge der politischen Instabilität. Wir können das Problem nicht auf dem Meer lösen. Letztlich muss die Lösung auf dem Land gefunden werden. Kenia ist eines der Hauptopfer der Piraten. Unsere Geschäftskosten sind in die Höhe geschossen: Die Versicherungen haben ihre Premien angehoben – für alle Güter, die nach Kenia kommen!” Weiter südlich auf dem afrikanischen Kontinent versucht es Simbabwe mit einer ähnlichen Machtteilung wie der in Kenia: Nach einer schwer umstrittenen Präsidentschaftswahl im März vergangenen Jahres einigten sich Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangvirai ein halbes Jahr später, die Macht zu teilen. Doch die Zusammenarbeit in Simbabwe ist schwieriger als die Kenia. euronews: “Was denken Sie über Robert Mugabe?” Odinga: “Ich habe immer gesagt – und ich habe keinerlei Veranlassung meine Meinung zu ändern – dass Robert Mugabe Teil des Problems ist. Er kann nicht mehr Teil der Lösung sein! Er ist der Hauptgrund! Mugabe weigert sich, die Spielregeln der Demokratie zu beachten. Er weiß, dass er die Wahl verloren hat aber er drängt sich wieder an die Macht. Die Zeit ist reif für die internationale Gemeinschaft, entschieden aufzutreten und mit einer Stimme zu sagen: ‘Mugabe: genug ist genug! Der Zeitpunkt, zu verschwinden ist jetzt!” euronews: “Kann die Afrikanische Union diese Prozess beschleunigen?” Odinga: “Die Afrikanische Union scheint in dieser Hinsicht leider machtlos, weil viele der dort vertretenen Staats- und Regierungschefs eine ganz ähnliche Vergangenheit haben wie Robert Mugabe. Viele sind Ergebnisse nicht wirklich transparenter Prozesse. Ich denke, dass die aufgeklärteren der Afrikanischen Führer mit einer Stimme sprechen sollten. Afrika ist in einer Übergangssituation von Einparteien-Staaten zur Mehr-Parteien-Demokratie, aber bis jetzt haben wir noch keine volle Demokratie!” euronews: “Kenia leidet unter entsetzlicher Trockenheit. Würden Sie die Situation beschreiben?” Odinga: “Im Augenblick sind fast 10 Millionen Menschen betroffen. Die Hirtenvölker, die ihre Herden weiden lassen wollen, leiden am schwersten, weil ihr Vieh stirbt. Wir haben fast 200.000 Kopf Vieh verloren! Kenia lebt wie viele Afrikanische Länder zwischen zwei Katastrophen: Trockenheit und Überschwemmungen. Der Klimawandel wütet schrecklich in Afrika!” euronews: “Der kommende Klima-Gipfel in Kopenhagen wird versuchen, Umweltfragen auf internationaler Ebene zu regeln. Was wird Afrika fordern – und was ist Afrika bereit, vorzuschlagen?” Odinga: “Afrika ist vor allem ein Opfer. Aber wir gehen nicht nach Kopenhagen, um Ankläger zu spielen: Wer ist der Übertäter? und wer ist das Opfer?… Wir wollen Unterstützung für Programme, unsere Wirtschaft dem Klimawandel anzupassen. Eine andere Forderung ist Hilfe, zu ‘grüner Energie’ zu kommen – weil sich Afrika entwickeln will, wie andere Länder auch!” euronews: “Es gibt eine große Debatte über die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe. Manche Ökonomen sagen, Hilfe blokiere individuelle und kollektive Initiative, sowie Verantwortung – und verhindert so letztlich wirtschaftliche Entwicklung. Was denken Sie dazu?” Odinga: “Ja, es hat ganze Periode gegeben – seit der Unabhängigkeit der Staaten Afrikas – in der Hilfsgelder in den Afrikanischen Kontinent gepumpt wurden – ohne Ergebnis. Wir denken, Hilfe vertieft Unterentwicklung, weil viele Gelder veruntreut werden. Ein Teil fliesst sogar in die Taschen der Geber zurück! Und darum sagen wir, dass wir von der Abhängigkeit von Hilfsgeldern wegkommen müssen. Wir wollen mehr Partnerschaft, wir wollen mehr Investititionen. Wir wollen, dass uns die Märkte geöffnet werden, damit wir Handel betreiben können – und wir kaufen ja schließlich auch! Das heißt: Austausch statt Gönnerhaftigkeit!” euronews: “Und schließlich: Der Sohn eines Sohnes ihres Landes hat es ins weiße Haus geschafft. Wie steht Kenia dazu?” Odinga: “Es ist großartig, dass ein Mann kenianischer Abstammung zum ersten Afro-Amerkikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. In Kenia haben wir das gefeiert! Als die Wahlergebnisse veröffentlicht wurden, haben wir sogar einen landesweiten Feiertag ausgerufen! Dies aber nicht so sehr wegen seiner kenianischen Herkunft… Die Kenianer unterstützen Barack Obama für das, wo er politisch für steht! Er hat uns eine Hand der Freundschaft ausgestreckt – und keine Faust, um uns niederzuboxen. Er hat gesagt: ‘lasst uns sprechen, damit wir gemeinsam eine friedliche Welt schaffen!’ “