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Die Geschichte eines Mini-Staates

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Die Geschichte eines Mini-Staates

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17. Februar 2008: Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. Europa hat damit einen Mini-Staat mehr, der aber bisher aus eigener Kraft nicht lebensfähig ist. Das ficht seine Gründer nicht an, wissen sie doch um die Furcht der internationalen Gemeinschaft vor neuen gewalttätigen Konflikten.

Die Erfahrung lehrt: Die internationale Gemeinschaft wird schon zahlen. 19 Monate später haben 63 der 192 UN-Mitgliedsstaaten den Staat Kosovo anerkannt, darunter 22 der 27 EU-Mitglieder und drei der sechs ehemalig jugoslawischen Teilrepubliken. Zu den Gegnern der kosovarischen Unabhängigkeit gehört Spanien, Serbien betrachtet Kosovo auch weiterhin als seine Autonome Provinz. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag prüft derzeit, ob die Unabhängigkeitserklärung im Sinne geltenden Völkerrechts rechtmäßig ist. Im Kosovo überwiegt der albanisch-stämmige Bevölkerungsanteil. Nur rund einhunderttausend Serben sind nach mehreren Wellen von Flucht und Vertreibung geblieben. Das reicht aber durchaus für immer neue Zusammenstöße. Zu einem friedlichen Zusammenleben hat die Unabhängigkeitserklärung jedenfalls nicht geführt. Seit Dezember 2008 wird die politische Entwicklung durch die “Rechtsstaatslichkeitsmission der Europäischen Union” – abgekürzt EULEX – überwacht. Als pro-Kopf-Durchschnitt wird ein Jahreseinkommen von 1.800 Euro angegeben, die offizielle Arbeitslosenrate steht mit 43 Prozent zu Buche. Die wirtschaftliche Ausgangslage war denkbar schlecht, denn diese Region galt schon im kommunistischen Jugoslawien als das Armenhaus der Föderation. Seit dem Kosovo-Krieg 1999 flossen mehr als zwei Milliarden Euro an Hilfsgeldern, was zu einem kurzfristigen Aufschwung in der Baubranche führte.