Eilmeldung

Eilmeldung

Kidnapping im Kolonialstil

Sie lesen gerade:

Kidnapping im Kolonialstil

Schriftgrösse Aa Aa

Grossbritannien und Australien wollen sich für Verbrechen an Kindern entschuldigen, begangen mit kolonialistischer Absicht. Das haben die Regierungschefs Gordon Brown und Kevin Rudd angekündigt.

So wurden arme Kinder aus Grossbritannien zu zehntausenden ihren Eltern weggenommen und in Kolonien verschickt – um dort weisse Siedler aus ihnen zu machen. Dieses sogenannte “Child Migrants Programme” wurde im 19. Jahrhundert erdacht und konnte sich bis 1967 halten. Allein seit den 1920er Jahren wurden auf diese Weise rund 130 000 britische Kinder zwischen 3 und 14 Jahren mutterseelenallein nach Australien, Kanada, Neuseeland, Südafrika und in das damalige Rhodesien gebracht. Dort landeten viele in – mitunter obskuren – Heimen, wurden misshandelt, missbraucht oder mussten gegen ihren Willen Feldarbeit leisten. Die Eltern hatten meist keine Ahnung, wo die Kinder abgeblieben waren. Auch kleine Australier erlitten ähnliche Schicksale, zum Beispiel Dorothy Chernikov. Sie findet die Entschuldigung gut: “Ich bin echt aufgewühlt. Meine Familie ist so froh, dass wir endlich Anerkennung finden.” Der Skandal kam bei Recherchen über sogenannte “vergessene Australier” ans Licht – eine halbe Million Kinder von armen Eltern oder Aborigines. Sie wurden im staatlichen Auftrag innerhalb Australiens verschleppt – bis in die 1970er Jahre.