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Wirtschaftbeziehungen USA-China, wer braucht wen?

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Wirtschaftbeziehungen USA-China, wer braucht wen?

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Die Sky-Line von Schanghai darf man getrost als Symbol betrachten für Chinas Wirtschaftsentwicklung. Das Riesenland hat in diesem Jahr Japan vom 2. Platz in der Weltwirtschaft verdrängt. Da entwickelt sich mit rasantem Tempo etwas, das der führenden Wirtschaftsmacht des Planeten bereits Kopfschmerzen bereitet. Auf der Agenda des Weißen Hauses offiziell ganz oben stehende Themen wie Menschenrechte rücken da sehr schnell in den Hintergrund. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China sind nicht ausgeglichen – harmlos ausgrdrückt. Washington betrachtet die chinesische Währung als stark unterbewertet. Der Warenaustausch belief sich im vergangenen Jahr auf mehr als 400 Milliarden Dollar. Das Problem: Allein für 330 Milliarden kauften die USA in China ein, so dass das ohnehin schon bestehende Handelsbilanzdefizit weiter stieg. Der US-Fachmann für China, Sidney Rittenberg, betont, die Beziehung basieren auf der Tatsache, dass die Amerikaner chinesische Produkte kaufen – und die Chinesen mit ihrem Geld die amerikanische Staatsverschuldung finanzieren. Ohne das wäre das Leben für die amerikanische Wirtschaft noch viel härter. Sidney Rittenberg kennt das Land, über das er urteilt, besser als jeder andere Amerikaner. Er lebte von 1944 bis 1979 in China, arbeitete als Dolmetscher für Mao Zedong. Er war der einzige Amerikaner, der je in die Kommunistische Partei Chinas aufgenommen wurde. Was nicht verhinderte, dass er insgesamt 16 Jahre in chinesischen Gefängnissen verbringen musste, je nach politischer Wetterlage in Peking war er Freund oder Feind.

Rittenberg sagt voraus, die US-Regierung werde so weitermachen, notfalls mit Druck. Sie werde damit aber nicht die Diskussion zu so wichtigen Fragen wie Sicherheit und wirtschaftlichen Bindungen abwürgen können. Wie ist es demnach zu verstehen, wenn Präsident Obama sagt, China solle “ ein verantwortungsbewusster Akteur in der Weltwirtschaft” werden? Vielleicht als Notruf, weil es anderenfalls auch für die USA eng werden könnte?