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Vom Sportereignis zur diplomatischen Krise - wie sich Algerien und Ägypten im Fußball entzweien

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Vom Sportereignis zur diplomatischen Krise - wie sich Algerien und Ägypten im Fußball entzweien

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Das WM-Entscheidungsspiel zwischen Ägypten und Algerien wird seinen Platz in der Geschichte finden. Als ein Sportereignis, das die Grenzen des Sports überschritten hat. Ausdruck dafür sind algerische Fans, die Fotos von Gewaltopfern in ihren Reihen zeigen. Wie kam es dazu?

Am 12. November hatten Ägypter in Kairo den Bus der algerischen Nationalmannschaft mit Steinen beworfen und dabei drei Spieler verletzt. Zwei Tage später traten die Nationalteams gegeneinander an, der Begegnung folgten Ausschreitungen in den Straßen mit vielen Verletzten. Aus Kairo gab es für die Vorfälle keine öffentliche Verurteilung, die algerische Seite zeigte sich verärgert, der Konflikt hatte die politische Bühne erreicht. In den Tagen danach zerstörten Algerier in Algir Einrichtungen einer ägyptischen Fluggesellschaft und eines ägyptischen Telefonkonzerns. Es entstand schnell eine aufgeheizte Stimmung in beiden Lagern. Bilanz: fünf Millionen Euro Schaden – und es droht eine diplomatische Krise. Ein Streit zwischen zwei wichtigen nordafrikanischen Ländern, der über die Vorherrschaft im Fußball hinausgeht. Wir sprachen mit zwei Experten über die Situation. Auf der einen Seite der ägyptische euronews-Journalist Mohamed el Hami – auf der anderen sein algerischer Kollege Adel Delal. Denn wir wollen wissen, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Mohamed el Hami: Ich denke, die Unruhen sind eine natürliche Reaktion. Denn die Medien haben in dieser Sache eine große Rolle gespielt. Das Ganze ist auch die Folge eines Medienkrieges, der sich über Monate zwischen beiden Ländern entwickelt hat. Man muß auch bedenken, daß diese Fußballfans junge Leute sind, die häufig arbeitslos sind. Sie nutzen den Sport, um sich abzureagieren. Das allez zusammen hat zu den Zwischenfällen geführt. Adel Delal: Unglücklicherweise ist dieses Fußballspiel zu einem Boxkampf mutiert, zu einem Platz der Konkurrenz und der Gewalt. Ich persönlich glaube nicht, daß die Unruhen eine natürliche Reaktion sind. Die ägyptischen Behörden hätten die Möglichkeit gehabt, die Gewalt von ägyptischer Seite zu stoppen und den Bus der algerischen Mannschaft zu schützen. Es ist traurig, daß der Geist des Sports verloren gegangen ist. Frage: Die beiden Länder verbindet eine lange Freundschaft. Könnte es denn jetzt wirklich zu einer diplomatischen Krise kommen? Mohamed el Hami: Ich glaube nicht, daß das Ganze zu einer diplomatischen Krise führen wird, auch wenn die Botschafter beider Länder einberufen wurden, um die Vorfälle zu erklären. Das ist eine Geschichte, die vorbei geht! Adel Delal: Da bin ich nicht einverstanden, mein Freund. Denn wir befinden uns kurz vor dem Ausbruch einer solchen Krise. Auch wenn es dazu noch keine öffentliche Erklärung gibt. Natürlich sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gut. Sie sind historisch verwurzelt und seit Jahrhunderten solide. Aber die jetzigen Vorfälle, daß nämlich algerische Fußballer und Fans angegriffen werden, zeigen auch, daß die Beziehungen, die als solide bezeichnet werden, unglücklicherweise sehr zerbrechlich sind.