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FLUVACC soll in Zukunft die Grippe eindämmen

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FLUVACC soll in Zukunft die Grippe eindämmen

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Die Grippe fordert jedes Jahr tausende Opfer. Millionen Menschen werden infiziert und der Virus verursacht hohe wirtschaftliche Verluste. Um den Virus zu bekämpfen gibt es Impfstoffe. Die Herstellungstechnik ist jedoch veraltet und die Impfdosen können nicht in großen Mengen hergestellt werden.

In Wien entwickeln Wissenschaftler im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts FLUVACC einen neuen intranasalen Grippeimpfstoff. Der Medizinstudent Philippe Neth ist ein Proband der klinischen Studie und hat den neuen Impfstoff schon ausprobiert. Er sagt: “Im Vergleich intramuskuläre Impfung und eben die Impfung mit Nasenspray würde ich auf jeden Fall, die mit dem Nasenspray vorziehen, weil ich einfach beim Nasenspray keine Schmerzen habe und es geht viel schneller.”

Aleyna ist zehn Jahre alt, sie wird gegen die Grippe geimpft, weil sie Diabetes hat. Für Kinderärzte und für ihre kleinen Patienten wäre ein intranasaler Impfstoff von Vorteil. Die Kinderärztin und Immunologin Elizabeth Förster-Waldl arbeitet am Wiener Universitätsklinikum. Sie erklärt: “Wir sind der Ansicht, dass es vor allem bei chronisch kranken Patienten gut wäre, die Impfrate zu erhöhen. Es wäre wünschenswert Applikationswege dieser Grippeimpfung aber auch von anderen Impfungen zu finden, die eine besoders hohe Bereitschaft in der Bevölkerung finden, sich impfen zu lassen.”

Mit dem neuen intranasalen Impfstoff wird man sich in Zukunft zu Hause selbst impfen können. Der Pharmakologe Volker Wachek sagt: “Der Patient kann das Medikament selbst genauso wie ein Nasenspray applizieren, er muss nicht deswegen extra zu einem Arzt gehen. Weiterhin schaut es so aus, dass wir aufgrund der potentiellen Veränderungen, die wir im Rahmen unserer Studie im Blut messen konnten, die Effektivität eines solchen Impfstoffs, eventuell, in Bezug auf den Schutz einer Grippeepidemie, höher sein könnte als mit den traditionellen Impfstoffen.”

Der Impfstoff wird mit einem Nasenspray verabreicht. Diese Methode ist wirksamer, da der Impfstoff direkt an der Eintrittspforte des Virus eingesetzt wird. In einem Labor in Wien wird an der Herstellung des innovativen Impfstoffes gearbeitet. Thomas Muster, der Koordinator des FLUVACC Projekts, erklärt die Vorteile des neuen Impfstoffes: “FLUVACC wird mit der sogenannten “Reverse Genetics” Methode gemacht und das hat einen entscheidenden Vorteil, und zwar den, dass die Impfstoffviren in sehr kurzer und rascher Zeit gemacht werden können. Innerhalb von drei bis vier Tagen können wir jeden Impfstoffstamm den wir benötigen, sei es ein saisonaler oder ein pandemischer generieren.”

Der Virus ist eine Gefahr für den menschlichen Körper, weil ein Protein den Virus für das Immunsystem unsichtbar macht. Aber die Wissenschafler kommen ihm auf die Spur. Der Virologe Andrej Egorov arbeitet für die Pharmafirma AVIR Green Hills Biotechnology. Er erklärt den Vorgang: “Wir entfernen das Protein, das den Virus unsichtbar macht. Wenn wir den Impfstoff nasal verabreichen, erkennen die Zellen sofort, dass eine Virus Invasion im Gang ist. Der Körper reagiert und verhindert die Ausbreitung.”

Bisher stellt man Impfstoffe her, indem man den Virus in Hühnereier injizierte. Im Falle einer Epidemie können auf diese Weise jedoch nicht genug Impfdosen hergestellt werden. Deswegen benutzen die Wissenschaftler dieses Projekts Zellkulturen, eine Art künstlicher Ersatz für die Eier. Der Produktionsprozess wird in Bioreaktoren durchgeführt. Andrej Egorov sagt: “Der Impfstoff wird in Zellkulturen produziert. Theoretisch können wir mit dieser Methode Impfdosen für die gesamte Weltbevölkerung herstellen.”

Für Thomas Muster gibt es noch einen weiteren Vorteil:“FLUVACC wird in Zellkulturen produziert. Und das ist ein wesentlicher Vorteil zur herkömmlichen Produktionsart in Eiern und zwar hauptsächlich deswegen, weil viele Leute eine Eiallergie haben, und praktisch dadurch die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks durch die Impfung ausgeschlossen ist.”

Das Forschungsprojekt geht über die Grenzen Österreichs hinaus. In Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, entwickeln Forscher eine neue Technologie um den Impfstoff zu reinigen. In einem Labor arbeiten sie mit dem Impfstoff, der in Wien in Zellkulturen entwickelt wurde. Ales Strancar, Chemiker und Chef der Firma BIA Separations, erklärt den Vorgang: “Der Viruspartikel, die Grundlage des Impfstoffs, wird in einer Art Suppe zubereitet. Es gibt zehn bis zwanzigtausend verschiedene Substanzen und nur eine davon ist eine Art Impfstoff. Wir müssen den Impfstoff herausfiltern, er soll so rein wie möglich sein, denn das andere Zeug ist nicht gut, es kann sogar giftig sein.”

Unter einem Mikroskop kann man sich die sogenannte Suppe ansehen. Die kleinen weißen Punkte sind Impfstoff. Die größeren Punkte sind Unreinheiten. Sie werden mithilfe einer chemischen Reaktion entfernt. Der Reinigungsprozess geschieht in einem neuen Filter. Ales Strancar zufolge hat der neue Impfstoff viele Vorteile: “Für die Patienten bedeutet dies folgendes: der neue Impfstoff wird sicherer und billiger sein, und man kann ihn schneller herstellen.”

Die Wissenschaftler hoffen, dass in Zukunft mit dem neuen Impfstoff mehr Menschen bereit sind sich impfen zu lassen. Professor Strle zufolge kann man die Grippe und andere Epidemien nur mit Impfungen bekämpfen. Er sagt:“Es ist seltsam, den Menschen ist nicht klar, dass jährlich hunderttausende der Grippe zum Opfer fallen. Sie nehmen es einfach hin und tun nichts, um es zu vermeiden.”

In Slowenien lassen sich nur 10% der Bevölkerung impfen. Obwohl die Nebenwirkungen von Impfungen in der Regel gering sind. Für den Epidemiologen Professor Strle ist es ein seltsames Phänomen: “Niemand stellt sich die Frage, ob die Airbags in den Autos wichtig sind. Ich habe kürzlich gelesen, dass 800 Leben dank der Airbags gerettet werden konnten, aber es kam auch zu 20 Toten. Und trotzdem wird die Nützlichkeit der Airbags nicht angezweifelt. Die Erolgsquote bei Grippeimpfstoffen ist sehr viel höher.”

In Wien liegen die Ergebnisse der ersten klinischen Studie vor. Den Forschern zufolge wird der neue Impfstoff uns besser schützen, da er gegen den Virus und gegen mögliche Mutationen wirksam ist. Thomas Muster ist zuversichtlich: “Wir sehen einerseits in den klinischen Studien, dass das FLUVACC das Potential hat eine sehr gute Schutzrate zu erzielen. Und gleichzeitig, was auch besonders wichtig ist, haben wir gesehen, dass das FLUVACC außergewöhnlich wenige Nebenwirkungen hat.”

Die Grippe wird es immer geben, aber in Zukunft werden wir sie vielleicht besser bekämpfen können. Dir Forscher versuchen einen Impfstoff zu entwickeln, der im Falle von Epidemien schnell einsetzbar ist.