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Sozialarbeit kongolesisch - Musik von "Staff Benda Bilili"


Kultur

Sozialarbeit kongolesisch - Musik von "Staff Benda Bilili"

Da kommt sie auf die Bühne gerollt, die Dritte Welt und lässt mit ihrer Musik jede Menge Klischees in Rauch aufgehen: Staff Benda Bilili, das sind acht Musiker aus dem Kongo, einige polioversehrt und auf selbstgebastelten Rollstühlen. Was sie nicht abhält von einer Europa-Tour, um ihr Debüt-Album “Très très fort” – “Sehr sehr stark” – unter die Leute zu bringen.

Und die Leute zum Tanzen: Mit afrikanischem Soul, im Rumba verwurzelt, dazu ein Schuss Rhythm’n‘Blues und Reggae. Das Publikum in der Barbican Music Hall in London hielt es nicht auf den Sitzen. Das Urteil der Zuschauer – einhellig euphorisch: “Ich hatte solche Lust, aufzustehen und auf meinem Stuhl zu tanzen. Und das Tollste war, dass das am Ende alle gemacht haben. Hätten wir uns das nur mal bisschen eher getraut.” “Wirklich, wirklich gut, voller Energie, sehr dynamisch.” “Really, really good, very energetic, very dynamic.” “Ich bin von der Hüfte abwärts gelähmt, aber meine Zehen haben im Rhythmus mitgeklopft. Sie sind wirklich brillant. Im Ernst, ich würde sogar heiraten, nur um sie zum Fest einzuladen. Die Typen sind einfach erstaunlich.” Staff machen Musik seit 2003, begonnen hat alles auf dem Zoo-Gelände in Kinshasa. Ein Jahr später hielten Filmemacher Renaud Barret und Florent de la Tullaye, bekannt als “La Belle Kinoise,” die Fortschritte der Band per Dokumentarfilm fest. Die Musik ist für sie nur Mittel zum Zweck. Coco Ngambali: “Wir wollen eine Botschaft verbreiten – durch Musik, als Künstler, wie andere als Journalisten – Benda Bilili bedeutet “Sei nicht verbohrt, schau über den Tellerrand.” Leon “Rocky” Likabu: “Wir singen über das Leid in unserem Körper – und über die Leiden derer, die draußen schlafen auf Karton. Vor allem die Straßenkinder wollen wir mit unserer Botschaft erreichen.” Der Solist ist ein 18 Jahre alter ehemaliger Strassenjunge. Er hat aus einer Dose eine Art Laute mit einer Saite gebastelt und entlockt dem Ding erstaunliche E-Gitarren-Soli. Roger Landu: “Mein Leben vor Staff ? Ich lebte auf der Straße, litt wie alle anderen Straßenjungen auch. Dann baute ich mein eigenes Instrument: Die Satonge. Damit war ich als Straßenmusikant auf den Märkten unterwegs, bekam mal hier 100 Francs und mal da mit meiner Satonge.” Leon “Rocky” Likabu: “Ich sah diesen Jungen immer wieder mit senem Instrument – er war sehr gut, aber er kannte keine Noten, alles war etwas chaotisch – also nahmen wir ihn auf – wie wir das auch mit anderen Straßenkindern machen, brachten ihm Notenlesen bei, und bildeten ihn weiter aus. Innerhalb von drei Wochen hatte er alles intus – seither macht er bei uns mit. Seit fünf Jahren jetzt.” Dieser Song ist von James Brown inspiriert. Der Rhythm and Blues-Musiker war 1974 aus den USA nach Kinshasa gekommen, um den legendären Schwergewichtskampf George Foreman gegen Ex-Weltmeister und Herausforderer Muhammad Ali yu sehen. Einige der Musiker haben ihn bei dieser Gelegenheit im Konzert erlebt. Die kongolesische Straßenmusikanten “Staff Benda Bilili” touren durch Europa – nach Grossbritannien sind die Niederlande dran, Frankreich und Belgien.

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