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Die Biobaumwolle Revolution

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Die Biobaumwolle Revolution

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Die konventionelle Baumwollproduktion ist extrem giftig und umweltschädlich. Indien ist der zweitgrößte Baumwollproduzent. Der Anbau beansprucht ein Fünftel der Agrarfläche aber mehr als die Hälfte, der im Land eingesetzten Pflanzenschutzmittel landet auf den Baumwollfeldern.

Mit der grünen Revolution Ende der sechziger Jahre werden Hybrid Samen eingeführt, die auf Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel angewiesen sind. Der hohe Verbrauch von Chemikalien hat das Wasser vergiftet, der Grundwassespiegel ist gesunken und die Böden sind verarmt. Doch nicht nur die Umwelt leidet, es führt auch zu sozialen Missständen. Bojju Bai, eine organische Baumwollbäuerin erzählt:

“Die Bauern, die diese Baumwolle anbauen, müssen sich Geld leihen, um den Kunstdünger, die Planzenschutzmittel und die Saat zu kaufen. Wenn die Ernte wegen Dürre oder Pflanzenschädlingen ausfällt, können die Bauern das Geld nicht zurückzahlen. Viele begehen Selbstmord.”

Im Bezirk Adilabad begingen in den letzten zwei Monaten 45 Bauern Selbstmord. Die meisten von ihnen tranken Pflanzenschutzmittel. Experten zufolge brachten sich zwischen 2002 und 2006 mehr als 17.000 Bauern um.

Bojju Bai lebt in dem Dorf Belgaum. Vor vier Jahren ist sie auf organische Baumwolle umgestiegen. Bojju Bai sagt: “Früher habe ich mir Geld von einem privaten Mittelsmann geliehen, 10.000 Rupien pro Saion, wenn ich den Kredit und die Zinsen zurückgezahlt hatte, blieb mir nichts mehr. Heute mache ich Gewinn.”

2004 hat die niederländische Organisation Solidaridad das Projekt Chetna ins Leben gerufen. Die Chetna Initiative unterstützt indische Bauern bei dem Anbau von Biobaumwolle. Es wird ihnen gezeigt, wie man natürliches Düngemittel herstellt und, dass etwa der Urin von Kühen als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden kann.

Siddharth Tripathy arbeitet für die Chetna Organisation:

“Wir versuchen die Lebensbedingungen der kleinen Bauern zu verbessern, indem wir ihren Anbau nachhaltiger und rentabler machen. Wir haben mit der Produktionskette angefangen.” Die Bauern lernen, dass sie auch ohne Giftstoffe eine gute Ernte erzielen können. B.G. Manesh ist der Leiter des Chetna Programms, er erklärt:

“Es gibt eine Menge ökologische, grüne Mittel. Die Bauern sollten etwa im Sommer umpflügen. Sie können Pflanzen anbauen, die die Schädlinge anziehen, so bleiben die Baumwollpflanzen verschont. Und es gibt botanische Sprays, die aus Pflanzen und Blätterextrakten bestehen. Und schließlich gibnt es viele Methoden zur biologischen Kontrolle, gewisse insekten etwa ernähren sich von Schädlingen.”

Die Umstellung auf biologischen Anbau betrifft neben der Baumwolle auch andere Bereiche. Kohinur, im Bezirk Adilabad, ist eines von sechs Dörfern, die an einem Wasseraufffang Programm teilnehmen. Diesen See gibt es erst seit zwei Jahren. Heute können die Bauern fischen und ihre Felder bewässern. Pendur Sungu arbeitet für das Wasserauffang Programm:

“Wir fangen das Wasser auf um eine bessere Ernte zu erzielen. Wir können die Bodenerosion aufhalten und die Erde bleibt fruchtbar.”

Wenn die Bauern von einer Ernte abhängig sind, droht ihnen im Falle einer Missernte der Ruin. Deswegen sollten sie auf Vielfalt setzen und neben Baumwolle, noch Feldfrüchte und Biomasse anbauen und Viehherden halten. In Kohinur hat man 10 Frauen Land zugeteilt, sie bauen Biomasse an und züchten Obstbäume. Yashoda zieht Bilanz: “Wir haben seit Februar 60.000 Pflanzen angebaut. 20.000 haben wir verkauft und so 60.000 Rupien verdient.” In Indien steigen immer mehr Bauern auf biologische Landwirtschaft um. Seit 2004 schlossen sich mehr als 5.500 Bauern der Chetna Organic Organisation an. Die Organisation stellt die Verbindung zu den Märkten her, handelt gute Presie aus und vermittelt Kontakte mit Händlern. Bhaskar Chandra Adhikari Koordinator der Chetna Organic Organisation erzählt:

“In manchen Dörfern sind alle Bauern auf ökologische Landwirtschaft umgestiegen. Sie bauen nicht nur Baumwolle an, sondern auch soja und verschiedene Hirsearten. Insgesamt gibt es 1520 solcher Dörfer, es ist ein großer Erfolg.”

Die komplette Produktionskette vom Anbau der Baumwolle bis zum fertigen Kleidungsstück wird zertifiziert und es wird dafür gesorgt, dass die Ware ethisch und ökologisch korrekt hergestellt wird.