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Die "schreckliche Frustration" der Klimawissenschaftler über die politische Trägheit

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Die "schreckliche Frustration" der Klimawissenschaftler über die politische Trägheit

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Photo “Quelccaya Ice-Cap, Peru”: © Bobby Haas / Getty Images

Einer der kompetentesten Klimaexperten der UNO hat die “schreckliche Frustration” beschrieben, die Wissenschaftler kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen überkommt. In einem exklusiven Online-Interview mit Euronews beklagt sich Jean-Pascal van Ypersele darüber, dass dringende Aufrufe zum Handeln nicht in die Tat umgesetzt werden: “Viele von uns sind frustriert, weil eine solche Lücke klafft zwischen der Klarheit unserer Diagnosen und dem Mangel an polititschem Willen, ehrgeizige Maßnahmen zu ergreifen, um die Bevölkerung und das Ökosystem vor dem Klimawandel zu schützen”.

Vor dem Gipfel in Kopenhagen hat der belgische Professor seinen Aufruf zum Handeln mit einer starken Warnung unterstrichen: “Der Klimawandel beschleunigt sich, und jedes Jahr, in dem wir keine zusätzlichen Maßnahmen ergreifen, bedeutet, dass wir die Emissionen später in viel größeren Schritten reduzieren müssen. Es wäre viel besser, mit der Reduzierung früher zu beginnen”.

Van Ypersele ist Vizepräsident des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen, auch IPCC genannt, der 2007 zusammen mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis bekam. Zur jüngsten Klima-Bewertung des IPCC sagt Van Ypersele: “Wenn der Anstieg der globalen Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht mehr als 2 Grad Celsius betragen soll, bedeutet das, dass der Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 um 50 bis 85 Prozent gesenkt werden muss”. Später müsse die Quote noch weiter gesenkt werden.

Das COP15-Treffen strebt einen neuen Weltklimavertrag zur Reduzierung der Treibhausgase an, der im kommenden Jahrzehnt in Kraft treten soll. “Die erste Phase der Verbindlichkeiten des Kyoto Protokolls läuft bis zum 31. Dezember 2012. Wenn wir am darauffolgenden Tag kein ratifiziertes Abkommen haben, werden Teile des Kohlemarktes zusammenbrechen”, warnt Professor van Ypersele.

Van Ypersele

Der Physiker der Universität von Löwen ist ein Experte für die Wechselwirkung zwischen Menschen und dem Klima. Zwischen globaler Erwärmung und menschlichem Leid gibt es für ihn eine direkte Verbindung: “Die meisten Gletscher auf der Welt schmelzen. Sie sind wunderschön…aber vor allem sind sie im Himalaya und den Anden die Wasserspeicher der Region. Sie speisen Flüsse, die für ein bis zwei Milliarden Menschen lebenswichtig sind. Wenn diese Gletscher wegen der globalen Erwärmung schmelzen, wird es nur noch dort Wasser geben, wo es regnet oder schneit – und in den niedrigen Breitengraden ist das nur während einiger Monate im Jahr. Diese Folge des Klimawandels ist wahrscheinlich die gefährlichste”.

Das zunehmende Interesse an Medienberichten zum Klima begrüßt Professor van Ypersele, der von “einem großen Fortschritt in der Wahrnehmung während der vergangenen fünf Jahre spricht”. Doch er mahnt die Bürger zur Wachsamkeit: “Das Problem ist, dass es immer noch sehr starke Wirtschaftslobbies gibt, die falsche Informationen verbreiten, die ihren Interessen nutzen. Die Bürger sollten deshalb bezüglich der Informationen, die sie bekommen, kritischer sein”.

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  • “Quelccaya Ice-Cap, Peru”: © Bobby Haas / Getty Images