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Ein Appell für den Planeten - aus der Antarktis

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Ein Appell für den Planeten - aus der Antarktis

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Forscher, die den Winter auf Polarstationen verbracht haben, haben Euronews exklusiv ihre Meinung zum immer bedrohlicher werdenden Klimawandel geschrieben.

Von diesen Basisstationen an der Front der Klimaforschung drängen sie in ihrer Heimat wiederholt auf schnelles Handeln, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Denn: “Es gibt Beweise, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur lokal, sondern global sind”, so Agnieszka Fryckowska, die Chefin der British Halley Research Station in der Antarktis. Sie lebt mit elf Mitstreitern auf einer High-Tech-Plattform über dem Brunt-Schelfeis und hat miterlebt, wie sich diese frostige Region in den vergangenen Jahren verändert hat. “Ich bin erst vor drei Jahren über das Gebiet des Wilkins-Schelfeises geflogen. Ich war überrascht über den schnellen Rückgang des Schelfeises und den Kollaps der Eisbrücke in diesem Jahr. Das ist kein Einzelfall. Die antarktische Halbinsel zeigt die höchste Erwärmungs-Rate weltweit”. Die Antarktis ist ein wichtiger Regulator für das Weltklima, denn der sie umgebende Ozean dient als eine Art Becken für Hitze und Kohlendioxid und dämpft so die Auswirkungen der zivilisationsbedingten Emissionen. Sie ist auch eine der Regionen, die von der Erderwärmung am meisten betroffen sind. Während die Temperatur am Südpol und in der östlichen Antarktis in den vergangenen Jahren stabil war, hat sie sich in der westlichen Region in den vergangenen 50 Jahren um knapp 3 Grad Celsius erhöht – eine Zunahme, von der Wissenschaftler nicht annehmen, dass sie nur auf natürliche Schwankungen zurückzuführen ist. Agnieszka und ihre Kollegen halten die Basis instand, nehmen Proben, um Ozon und CO2 zu messen, beobachten Veränderungen und versorgen Kollegen in Instituten rund um den Globus mit Daten. Zwischen Mai und September leben sie im Dunkeln, umgeben von flachem, grauem Eis. Ihre nächsten Nachbarn, rund 16 Kilometer entfernt, sind eine Kolonie Königspinguine. Seit die Basis im Osten der antarktischen Halbinsel 1956 gegründet wurde, hat sie wertvolle Langzeitdaten für atmosphärische Wissenschaften, Gletscherkunde und Geologie geliefert. Forscher in Halley haben bereits dazu beigetragen, die Atmosphäre vor zivilisationsbedingten Verschmutzungen zu bewahren. “Es waren Datensätze von hier, die den Wissenschaftlern der British Antarctic Survey geholfen haben, 1985 das Ozonloch zu entdecken. Diese Entdeckung führte zum Montreal-Protokoll, das ozonschädliche Stoffe wie FCKW verbot”, erklärt Agnieszka. Dieses Verbot hat der Natur erlaubt, sich wieder zu erholen: “Wir erwarten, dass sich das Loch in den nächsten 50 Jahren schließt”. In der Zwischenzeit arbeitet Bruno Jourdain als einer von Hunderten von Wissenschaftlern auf der Französischen Station Dumont d’Urville in der östlichen Antarktis, um die Polarregionen besser zu verstehen. In den Felsen unter seinem Labor lebt eine Kolonie Adeliepinguine, darunter breiten sich die Eisfelder aus.

A Fryckowska

Jourdain untersucht die atmosphärische Chemie des siebten Kontinents. In einer Mail an Euronews betont er, dass die Wissenschaft noch einen weiten Weg vor sich habe, um gänzlich zu verstehen, wie sich menschliches Tun auf den Planeten auswirkt – obwohl über den Klimawandel schon viele Schlüsse gezogen werden könnten.

“In diesem Teil der Antarktis sind die Folgen der Erwärmung noch nicht so sichtbar, zumindest im Moment noch nicht. Studien haben zu der Hypothese geführt, dass die Gletscher schneller ins Meer gleiten, aber diese Untersuchungen dauern noch an. Was atmosphärische Messungen betrifft, haben wir mit Daten, die nicht älter als 20 Jahre alt sind, noch nicht genügend Langzeitdaten zur Verfügung, um bedeutende Trends auszumachen”, sagt er.

Trotzdem setzt Jourdain sich dafür ein, dass Entscheidungen zur Reduzierung der Treibhausgase getroffen werden: “Wir dürfen nicht länger warten, sondern müssen schnell handeln. Die Berichte des IPCC sprechen für sich”.

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  • A Fryckowska