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Marwan Barguti, der Wunschkandidat vieler Palästinenser

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Marwan Barguti, der Wunschkandidat vieler Palästinenser

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Am 3. Oktober 2002 wurde eMarwan Barguti von einem israelischen Gericht gleich zu fünfmal lebenslänglich verurteilt. Gestanden hat Barguti die Taten allerdings nie, für die er büssen soll. Dabei geht es um Anschläge, bei denen israelische Bürger getötet wurden. Seither ist der inzwische 50jährige der prominienteste unter den rund 11.000 Palästinensern in israelischen Gefängnissen.

Festgenommen wurde er im April 2002. Die damalige israelische Regierung unter Ariel Scharon bezeichnete ihn als den Gründer der “Al Aksa-Brigaden”, jener von der Fatah abgespaltenen radikalen Gruppe, die in der zweiten Intifada mit Anschlägen von sich reden machte. Barguti leugnet auch das, wiewohl er gewissen Aktionen der Gruppe gutgeheißen hatte. Er war zu jener Zeit der Chef der Fatah im Westjordanland. Im Mai 2001 sagte er in Ramallah nach israelischen Luftangriffen: “Es ist das erste Mal, dass wir von der israelischen Luftwaffe angegriffen werden. Es waren F-16-Bomber. Das ist eine sehr gefährliche Eskalation der Situation. Das wird weitere palästinensche Reaktionen nach sich ziehen.” Marwan Barguti machte seine ersten Erfahrungen in der direkten Konfrontation mit dem israelischen Militär schon in der ersten Intifada 1986. Als Kämpfer auf der Straße und als Häftling in israelischen Gefängnissen. Seine Popularität aber beruht auf seiner Nähe zu den eigenen Leuten. Er hielt sich fern von jenem Kreis der als korrupt geltenden Funktionsträger rund um Jassir Arafat. Ihm glaubten seine Anhänger, wenn er die israelische Siedlungspolitik verurteilte und trotzdem dafür warb, mit Israel zu reden. Auch wenn er die aktuellen israelischen Forderungen absolut illusionslos erschätzte: “Sie wollen Siedlungen behalten, wollen den Boden von Jerusalem auch weiter okkupieren, wollen das Rückkehrrecht der Palästinenser abschaffen. Wer kann von palästinensischer Seite so ein Abkommen unterzeichnen? Niemand!” Obwohl schon so viele Jahre im Gefängnis von der aktiven Teilnahme an der Politik ausgeschlossen, genießt Barguti immer noch breite Anerkennung – und zwar in beiden Fraktionen der zerstrittenen Palästinenserfamilie. Allein ihm, der nie den Gesprächsfaden zur radikalen Hamas abreißen ließ, wird zugetraut, eine palästinensische Versöhnung zu erreichen. Ihn wünschen sich viele Palästinenser als Nachfolger von Mahmud Abbas.