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Volksabstimmung über Minarette in der Schweiz

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Volksabstimmung über Minarette in der Schweiz

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Die Bürger der Schweiz haben an diesem Sonntag über einzigen einen Satz abzustimmen. Er lautet: “Der Bau von Minaretten ist verboten.” Hintergrund sind weitere Bauanträge für die Minarett-Türme an bisher unscheinbare Gebetshäuser für Muslime. Bisher ist die Schweizer Regierung ungewöhnlich offensiv gegen jene vorgegangen, die so ein Verbot fordern. Der amtierende Bundespräsident, der im Dauerstreit mit Libyen wegen der Festnahme zweier Schweizer Geschäftsleute steht, will eine – so wörtlich:“multikulturelle, offene Schweiz” bewahren. Die Mehrheit der Muslime sei gut integriert und respektiere die Gesellschaftsordnung. Ihre Zahl beläuft sich nach offiziellen Angaben auf 310.000 Personen, das macht 4,3 Prozent der Bevölkerung aus. Vier Minarette stehen schon in der Nähe von Genf, in Zürich, Winterthur und bei Olten. Für zwei weitere sind Bauanträge gestellt.

Die rechtsgerichteten Initiatoren der Volksinitiative, darunter die national-konservative “Schweizerische Volkspartei” werden mit solchen Plakaten: Minarette – dargestellt so bedrohlich wie Raketen. Die in der Schweiz lebenden Muslime stammen überwiegend aus der Balkanregion, aus dem Kosovo, aus Albanien oder Bosnien. Sie kamen in den 90er Jahren als Folge der Balkankriege. Walter Wobmann, der Vertreter der “Schweizerischen Volkspartei” sieht in den Minaretten wenige religiöse als politische Zeichen der Bedrohung durch einen gefährlichen Islam. Er sagt: “Minarette sind Machtsymbole. Das ist der Anfang der Islamisierung, das heisst des Muezzins, das wäre der zweite Schritt und der dritte Schritt wäre das islamische Recht, die Scharia, und das wollen wir hier in der Schweiz nicht.” Viele Schweizer Bürger, egal welcher Religion, sehen das durchaus anders. Sie befürchten, das in den allgemeinen Menschenrechten verankerte Recht der Religionsfreiheit, das bisher in der Schweiz hochgehalten wird, könnte Schaden nehmen. Der Protestant und momentane Präsident des “Schweizerischen Rates der Religionen” Thomas Wipf, verweist auf den seiner Meinung nach völlig falschen Denkansatz, der darin bestehe, “…..dass die Initianten davon ausgehen, dass unterschiedliche Religionen nicht miteinander leben können sondern dass sie sich bekämpfen müssen. Wir müssen aufeinander zugehen, lernen, miteinander zu reden. Reden, das ist die Herausforderung.” Nach seinen Erfahrung seien auch die muslimischen Glaubengemeinschaften gut die die glaubens-übergreifende Zusammenarbeit des Religionsrates eingebunden. Viele Schweizer Bürger sorgen sich mehr um das Ansehen ihres Landes in der arabischen Welt, um möglichen wirtschaftlichen Schaden. Auch die Erinnerung an Dänemarks Erfahrungen mit den Mahommed-Karrikaturen ist nicht vergessen.