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Gedenken an Hungersnot in der Ukraine

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Gedenken an Hungersnot in der Ukraine

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Die Ukraine hat der Opfer der Hungersnot zu Beginn der 30er Jahre gedacht. Damals starben verschiedenen Historikern zufolge zwischen 3 und 10 Millionen Menschen – in landwirtschaftlichen Gebieten, deren Agrarproduktion eigentlich sogar Überschüsse erwirtschaftete.

Doch mussten die Bauern ihre Produktion abliefern. Im Rahmen der Kollektivierung der Sowjetwirtschaft wurden ukrainische Lebensmittel in andere Regionen gebracht – oder gegen Devisen exportiert. Die heutige – aus der orangenen Revolution hervorgegangene – ukrainische Führung wirft dem damaligen Machthaber Josef Stalin vor, die Ukraine bewusst ausgehungert zu haben: ein Völkermord – so Präsident Wiktor Juschtschenko – um das ukrainische Volk und das noch verbliebene freie Bauerntum zu brechen. Auch Klerusangehörige und Intellektuelle seien umgebracht worden. In der Ukraine hat die Hungersnot einen Namen: Holodomor, übersetzt: ‘durch Hunger sterben lassen’. Doch wurde nicht nur ‘sterben gelassen’: In Lemberg wurden nun die Überreste von über 600 Ukrainern beigesetzt, die bei einer erneuten Hunger-Katastrophe in den Vierziger Jahren beim Versuch erschossen worden waren, die Region zu verlassen, um anderswo Nahrung zu finden. Zwischen dem Beginn der 20er und dem Ende der 40er-Jahre wurde die Ukraine immer wieder von Hungersnöten getroffen – mit vielen Millionen Toten. Zu Sowjetzeiten war selbst historische Forschung zum Thema Tabu.