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Der Lissabon-Vertrag als Comic?

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Der Lissabon-Vertrag als Comic?

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Hoch aus seinem Brüsseler Atelier heraus verfolgt der Comiczeichner François Schuiten die Ereignisse in der EU.

Schon mit 16 veröffentlichte er seine ersten Comics, sein bekanntestes Werk ist die Serie “Die geheimnisvollen Städte”, in der der Architektur-Fan sich mit der Entstehung urbaner Parallelwelten und der Zerstörung des historischen Brüssels auseinandersetzt. Wozu inspirieren die EU und der Lissabon-Vertrag den Belgier? “Belgien hat einen besonderen Blick darauf, denn es beherbergt die EU-Institutionen, es sieht zunächst das Gewicht, das sie in der Stadt eingenommen haben, ein bisschen erdrückend ist das, manchmal etwas undurchsichtig, diese Bürokratie, die das Herz der Stadt erstickt. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass dieser Vertrag positive Effekte hat, dass er die europäische Maschine antreibt. Doch tief im Inneren bringt uns das nicht grad zum Träumen. Außerdem habe ich nicht den Eindruck, dass die Kultur ein zentrales Element in diesem Vertrag ist, oder dass er uns ein besseres Verständnis der Werte verschafft, damit die Jugend sich stärker als Europäer empfindet, mehr Lust hat, Europa zu besuchen und mit den europäischen Kulturen in Beziehung zu treten.” Architektur steht für Schoiten im Mittelpunkt, das, was sie an möglichen und unmöglichen Städten schaffen kann. Er flicht Mysteriöses und Fantastisches in sein Werk ein – nicht nur in seinen “Geheimnisvollen Städten.” Für unseren Brüsseler Korrespondenten war da noch eine Frage offen: “Man wirft Europa oft vor, insbesondere bei den Gesetzestexten, nicht klar zu sein und vor allem sehr schwer für die Bürger. Könnten Sie den Lissabon-Vertrag in Form eines Comics darstellen?” Schoiten: “Das wär ein bisschen eine Beleidigung für den Comic. Ich denke, er hat Besseres verdient als das, mehr, als solche mühsamen Dinge umsetzen zu müssen. Aber dennoch hat Europa ein System aufgebaut, das zu einem bestimmten Moment Kontakt aufnehmen werden muss, kommunizieren muss – und DANN wird es etwas zu tun geben, dann wird man sich etwas einfallen lassen, zweifellos neue Systeme, neue Beziehungen, neue Drähte und neue Wurzeln.”