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Mutmaßlicher KZ-Wächter Demjanjuk vor Gericht

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Mutmaßlicher KZ-Wächter Demjanjuk vor Gericht

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Unter großer Anteilnahme der öffentlichkeit hat der Prozess gegen den mutmaßlichen KZ-Wächter John Demjanjuk begonnen. 270 Journalisten aus aller Welt verfolgen vor dem Münchner Landgericht einen der letzten Prozesse zu Verbrechen der NS-Zeit. Demjanjuk, heute 89 Jahre alt, wird Beihilfe zum Mord rund 28 000 Juden vorgeworfen – als Aufseher im Vernichtungslager Sobibor soll er im Jahr 1943 Gefangene in Gaskammern getrieben haben. Er bestreitet das.

Staatsanwältin Barbara Stockinger: “Für den Prozess sind jetzt schon 35 Verhandlungstage angesetzt. Das Problem ist, dass die Verhandlungsdauer auf zweimal 90 Minuten täglich beschränkt ist. Zahlreiche Zeugen müssen gehört, zahlreiche Beweismittel müssen geprüft werden. Deshalb dürfte das Verfahren mindestens bis Mai nächsten Jahres dauern. Ob das reicht, kann man dann erst sehen.” Der aus der Ukraine stammende Demjanjuk ist der erste ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, der wegen Beihilfe zum Holocaust in Deutschland vor Gericht steht. Der Angeklagte lebte Jahrzehnte in den USA und wurde nach einem langen Rechtsstreit im Mai nach Deutschland abgeschoben. In Israel war er in den 80er Jahren wegen Verbrechen im Lager Treblinka verurteilt worden, die ihm später nicht mehr persönlich zugerechnet werden konnten. Nach sieben Jahren Haft kehrte Demjanjuk zurück in die USA und erhielt die aberkannte US-Staatsangehörigkeit zurück. Unter den rund drei Dutzend Nebenklägern im aktuellen Prozess sind vier Überlebende des Lagers Sobibor, das Ende 1943 nach einem Gefangenenaufstand geschlossen wurde.