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EU bringt Wasserstoff-Fahrzeuge in Fahrt

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EU bringt Wasserstoff-Fahrzeuge in Fahrt

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Francisco Munoz ist immer dazu bereit Neues auszuprobieren. Der 89-jährige Bauer zog vor ein paar Monaten in das Altersheim in Soria, eine Stadt im Nord Osten Spaniens. Hier erfuhr er von einem Testprogramm eines futuristischen Fortbewegungsmittels: ein Rollstuhl, betrieben mit Wasserstoff. Franciso hat nicht gezögert und zieht mit seinem neuen Gefährt alle Blicke auf sich. 
Er ist mit dem Produkt sehr zufrieden: “Dieser Rollstuhl ist sehr nützlich für ältere und behinderte Menschen wie mich. Man kann damit lange Strecken zurücklegen. Ich muss schon sagen, ich bin ziemlich beeindruckt.”
 
Diese Prototypen werden im Rahmen des europäischen Projekts “Hychain Minitrans” hergestellt. Ziel des Projekts ist es zu zeigen, dass Wasserstoff sich als alternativer Kraftstoff eignet und im Transportbereich eingesetzt werden kann.

Die innovativen Fahrzeuge müssen sich nun im täglichen Gebrauch beweisen. Bei der Herstellung  dienten vor allem elektrisch betriebene Fahrzeuge als Vorbild. Alberto Garcia Hombrados ist der Entwickler des Rollstuhls, er erklärt die Funktionsweise: “Es ist ein Wasserstoffsystem, das auf einer Brennstoffzelle beruht, die sich an Bord des Rollstuhls befindet. Es gibt zwei Energiequellen: die Brennstoffzelle und eine Reihe von Batterien, zusammen liefern sie die nötige Energie um den Rollstuhl anzutreiben.”
 
In  nur ein paar Minuten kann man eine leere Wasserstoff Kartusche gegen eine volle umtauschen. Das Auftanken eines Elektro Fahrzeugs hingegen dauert mehrere Stunden. Alberto Garcia Hombrados zählt die Vorteile der wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge auf: “Es gibt drei Vorteile: eine größere Reichweite – besser als mit den herkömmlichen Elektro Rollstühlen -, ein kürzeres Auftanken – bei einem Elektro-Rollstuhl dauert das an die 8 Stunden, bei einem Wasserstoff Rollstuhl nur 5 Minuten, und dieser Rollstuhl ist leichter, einfacher zu transportieren.”
 
Seit Anfang 2006 werden hier in Soria, sowie in drei weiteren europäischen Regionen, wasserstoffbetriebene Fahrzeuge im Rahmen des “Hychains Projekts” getestet. Nordrhein Westfalen nimmt ebenfalls an dem Projekt teil. Früher wurde in der Zeche Ewald Kohle gefördert, heute dreht sich hier alles um  Wasserstoff und Brennstoffzellen. In der Stadt Herten sind an die 40 Lastenfahrräder des Typs Cargo mit Wasserstoffantrieb im Einsatz. Ähnlich wie der Rollstuhl wird dieses Lastenfahrrad mit einer Brennstoffzelle angetrieben. Die Brennstoffzelle funktioniert wie ein kleines Kraftwerk, in dem Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff produziert wird.

Bernard Krüsemann, der Direktor des Labors erklärt: “Das wichtigste ist der Brennstoffzellenstack selbst, er besteht aus Graphit Platten und natürlich der Brennstoffzellenmembran, die die Konvertierung in elektrische Energie vornimmt. An den Seiten haben wir Kühlstrukturen zur Kühlung des Systems.”
 
Das Lastenfahrrad Cargobike eignet sich für Kurierdienste. Doch der Brennstoffzellantrieb beschränkt sich nicht nur auf kleine Fahrzeuge. In Bottrop ist auf der Linie 266 ein mit Wasserstoff betriebener Bus unterwegs.

Ähnlich wie Elektro Buse, ist dieser Bus nach außen hin sehr leise. Einziger Nachteil: im Inneren des Buses ist es umso lauter, da man hier das Rumpeln der Anlage hört. Der Busfahrer Günter Bürmann sagt: “Im Moment ist es noch so, dass der Bus ein bißchen rau fährt, aber diese Kinderkrankheiten, die werden noch ausgemerzt, das wird sich mit den Jahren geben, in der Zeit, in der das hier getestet wird. Man kann zufrieden sein. Die Fahrgäste sagen manchmal, es ist laut in diesem Bus. Aber von außen ist dieser Bus an und für sich leise.”

Der Bus läuft nicht mit Wasserstoff Kartuschen, die Ingenieure haben einen Benzintank in den Bus eingebaut. Der Energie Nachschub kommt  aus der Zapfzäule einer Wasserstofftankstelle. Wasserstoff als Alternative für Benzin wird sich in den nächsten zehn Jahren nur durchsetzen, wenn die herkömmlichen Tankstellen mit Wasserstoffzapfsäulen ausgerüstet werden. Fernando Montanes arbeitet für die französische Firma “Air liquide”, er sagt: “Diese Energie wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Aber wir benötigen eine umfassende Infrastruktur um sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen.”
 
Ist Wasserstoff die grüne Energie der Zukunft? Die mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge  stoßen keine Treibhausgase aus. Das Problem ist die Herstellung: Wasserstoff wird mit fossilen Energien wie Gas und Öl gewonnen, damit ist der Umweltvorteil dahin.

Es besteht jedoch Grund zur Hoffnung, schon bald wird man in der Lage sein Wasserstoff mit Solarenergie herzustellen. Dann wird Wasserstoff durch und durch umweltverträglich sein. Ein weiterer Nachteil bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen ist die Geschwindigkeit, 50 km pro Stunde, schneller geht es nicht. Mit einer Umstellung auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge könnte man den Co2 Ausstoß erheblich verringern. Antonio Bautista Sirvent ist für die Wartung der neuen Gefährte zuständig, er erklärt: “Dieses Fahrzeug muss erst nach 100 bis 120 Km aufgetankt werden, es hat eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Km pro Stunde und eignet sich für den Innenstadt Verkehr, nicht für längere Strecken außerhalb.”
 
Wie steht es mit der Sicherheit? Sind mit Wasserstoff gefüllte Kartuschen nicht gefährlich? Antonia Bautista Sirvent gibt uns Auskunft:“Wasserstoff ist nicht gefährlicher als das natürliche Gas, das wir tagtäglich benutzen. Es ist etwas Neues, die Leute kenne es nicht und sind beunruhigt, aber ich kann ihnen versichern es ist genauso sicher wie herkömmliches Gas.”
 
Die EU hat sich vorgenommen den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Die Umstellung auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge im Stadtverkehr könnte dazu beitragen. Die Herstellung von Wasserstoff muss jedoch noch verbessert und die Wasserstoffinfrastruktur ausgebaut werden. In Soria lernt der Rentner Franciso Munoz wie man den neuen Rollstuhl bedient, gar nicht so einfach. “Ich habe mich noch nicht an dieses neue Gefährt gewöhnt. Ich fahre es erst seit ein paar Minuten und bin noch etwas unsicher. Das ist ganz normal, sowas braucht Zeit. Ich muss mich beim Fahren  noch sehr konzentrieren.”
 
Aller Anfang ist schwer, ob Wasserstoff die Energie der Zukunft ist, wird sich zeigen.

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