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US-Pläne für Afghanistan spalten Europa

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US-Pläne für Afghanistan spalten Europa

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Die Afghanistan-Pläne von US-Präsident Barack Obama werden in Europa nicht durchwegs begrüßt. 30.000 zusätzliche US-Soldaten will Obama an den Hindukusch schicken, dafür stellte er den Truppenabzug ab 2011 in Aussicht. Zunächst aber heißt es: Aufstockung – und dabei sollen die europäischen NATO-Partner in die Pflicht genommen werden, erklärte US-Verteidigungsminister Robert Gates: “Wir fordern 5000 bis 7000 Soldaten von den NATO-Partnern und wir erwarten, dass sie mehr zum Training, zur Ausrüstung und Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte beitragen.”

Großbritannien, Kanada und Polen haben bereits Zustimmung signalisiert. Frankreich hingegen, das derzeit rund 3000 Soldaten in Afghanistan stationiert hat, blieb zurückhaltend, ebenso wie die Niederlande. “Wir werden im Kabinett darüber entscheiden”, sagte der niederländische Außenminister Maxime Verhagen. “Sobald eine Entscheidung gefallen ist, werden wir das Parlament und unsere Verbündeten informieren.” Ablehnend zeigte sich auch Deutschland. Derzeit befinden sich rund 4.300 deutsche Soldaten am Hindukusch. Washington fordert nun laut Medienberichten die Entsendung von weiteren 2.500 Mann – aber Berlin ist damit nicht glücklich, wie Außenminister Guido Westerwelle deutlich machte. “Eine Debatte, bei der es nur darum geht, wie viele Truppen entsendet werden sollen, eine solche Debatte lehnen wir ab, weil sie nicht zielführend ist. Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan erklärten als Reaktion auf die US-Pläne, sie würden weiterhin erbitterten Widerstand leisten. Barack Obama hat sich damit auf einen Balanceakt eingelassen: Er kündigt eine militärische Offensive an und stellt gleichzeitig den Truppenabzug in Aussicht. Zunächst aber wird der Krieg verschärft – und das ausgerechnet von einem Mann, der in wenigen Tagen den Friedensnobelpreis erhalten soll.