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Welche Strategie für Afghanistan

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Welche Strategie für Afghanistan

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Mit mehr Soldaten vor Ort sollen die Taliban zurückgedrängt werden, um das Land sicherer zu machten. Soweit so gut. Als Idee zumindest. Eine Idee, die mit dem Wort “nation-building” Amerikas Partnern als hehres Ziel auf lange Sicht nahegebracht wurde. Nur – warum funktioniert das nicht? Der Mann auf der Straße in der Hauptstadt meint, eine Aufstockung der ausländischen Truppen in Afghanistan werde gar nichts ändern. Alles werde beim Alten bleiben. Man sollte besser das afghanischen Volk stärken, seine nationale Armee und Polizei. Schließlich werde jedes Land von seinem eigenen Volk erbaut.

Dafür legen sich die Verbündeten auch mächtig ins Zeug. Nur hat sich gezeigt, dass bei einer Ausbildungszeit von 18 Monaten in einem Land mit hoher Analphabetenrate der Erfolg eher gering ist. Rund 94.000 Afghanen haben diese Ausbildung bisher absolviert – und rund zehntausend davon sind schon wieder desertiert. Damit muss man rechnen in einem Land, in dem die erste Loyalität eines Mannes seinem Stammesführer gilt – und nicht einem Präsidenten in der fernen Hauptstadt. Bei der Polizeiausbildung stellen sich die Probleme ähnlich dar. Polizeischüler müssen oft erst einmal Lesen und Schreiben lernen. Noch schwieriger ist es, ein Offizierscorps aufzubauen. Die Zahl von 97.000 Polizisten, 160.000 sollen es werden, sagt da wenig. Hinzu kommt die sehr niedrige Entlohnung, die logischerweise anfällig macht für Korruption. Haroon Mir, ein afghanischer Wissenschaftler, der die Lage in seinem Land ohne jede Illusion einschätzt, betont: “Natürlich brauchen wir die Präsenz der Amerikaner in Afghanistan, damit sie beim Aufbau von Sicherheitsstrukturen helfen. Und zwar über eine längere Zeit, vielleicht sogar ein weiteres Jahrzehnt.” Das Opium-Problem hatte 2001 auch keine strategische Planung vorausgesehen. 92 % der Opiumlieferungen für den Weltmarkt kommen aus Afghanistan – und die Einnahmen füllen die Kriegskassen der Taliban 106 Millionen Euro pro Jahr seit 2005 Ziemlich viel – wenn man die ausländischen Direktinvestitionen in Höhe von 191 Millionen Euro für ein Jahr – 2007 – danebenstellt. Als größtes Hindernis aber erweist sich, dass es den Amerikanern und ihren Verbündeten nicht gelungen ist, die Herzen der Afghanen zu gewinnen. Sie werden weitgehend als Besatzer wahrgenommen Und was denen droht, lehren die Erfahrungen der sowjetischen Armee aus den 80er Jahren.