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"Blue Energy" – Strom aus Flussmündungen

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"Blue Energy" – Strom aus Flussmündungen

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Der Hafen von Rotterdam liegt im Rheindelta. Tausende Liter Süßwasser fließen hier pro Sekunde ins salzige Meer. Wissenschaftler am niederländischen Zentrum für nachhaltige Wasser-Technologie (Wetsus) in Leeuwarden sehen darin eine Möglichkeit, sauber große Mengen Energie zu gewinnen.

Mit der Elektrodialyse kann unter Einsatz von Elektrizität und Membranen Meerwasser entsalzt werden – das ist schon Jahrzehnte bekannt. Erst später kamen Wissenschaftler darauf, dass man den Prozess umkehren kann. Die niederländischen Forscher arbeiten an Möglichkeiten, mit damit Kraftwerke zu betreiben – ‘Blue Energy’ nennen sie das.

Joost Veerman, beschäftigt sich bei Wetsus mit ‘Blue Energy’. Er erklärt, Meereswasser enthalte zwei Arten Teilchen: Natrium-Ionen und Chlorid-Ionen, positive und negative. “Für beiden gibt es jeweils verschiedene Membranen: Die eine lässt positive Ionen durch, die andere negative.” Die positive Ionen könnten also durch die eine Membran hindurch, negativen durch andere. “Und dabei fließt eine elektrischer Strom auf beiden Seiten beider Membranen.”

Theoretisch kann aus jedem Kubikmeter Süßwasser ein Megawatt Strom gewonnen werden. In den Niederlanden könnte eine 1,5 Kilometer lange Container-Kette entlang des Abschlussdeiches, der das Ijselmeer von der Nordsee trennt, rund 200 Megawatt produzieren. Doch noch gibt es ein paar Punkte zu klären. Roelof Schuiling ist Professor für Umweltstudien an der Universität Utrecht. Er hält Blue Energy für eine schöne Lösung – aber auch eine teure. “Nun aber sinken die Produktionskosten der Membranen. Im Labor geht das schon ganz gut – jetzt stellt sich die Frage, wie das in der Realität funktioniert.”

Wenn es funktioniert, sehen die Forscher Möglichkeiten, um in den Niederlanden 3000 Mega-Watt per ‘Blue Energy’ zu produzieren, fast ein Drittel dessen, was das Land jährliche an Strom verbraucht.