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Prozess gegen "Todesengel" beginnt in Argentinien

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Prozess gegen "Todesengel" beginnt in Argentinien

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In Buenos Aires hat am Freitag der Prozess gegen den ehemaligen Offizier Alfredo Astiz begonnen. Er soll während der Militärdiktatur an der Verschleppung und Ermordung Dutzender Menschen beteiligt gewesen sein. Astiz erschien betont leger gekleidet im Saal, in Jeans und Pullover und ohne Krawatte, um seine Missachtung des Gerichts zu zeigen. Als “blonder Todesengel” war der heute 58-jährige bezeichnet worden. Er soll die “Mütter der Plaza de Mayo” ausspioniert haben, eine Gruppe von Frauen, die in den siebziger Jahren Auskunft über das Schicksal ihrer verschleppten Kinder forderten. Auch zum Prozessauftakt versammelten sich die Frauen wieder vor dem Gerichtsgebäude. “Es ist Zeit, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird”, meint eine von ihnen, “und zwar vor Gericht und nicht auf der Straße. Dieser Prozess berührt mich sehr stark, weil ich niemals daran geglaubt habe, dass ich noch am Leben sein würde, um ihn zu verfolgen.”

Unter anderem soll Astiz an der Ermordung zweier französischer Nonnen beteiligt gewesen sein. 1990 wurde er deswegen in Frankreich in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Während der Militärdiktatur war Astiz in der Marineingenieursschule ESMA tätig. Hier befand sich ein Folterzentrum der Junta. Rund 5000 Menschen wurden nach Schätzungen in den Räumen von ESMA gefoltert.