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Abchasien wählt - Georgien fühlt sich provoziert

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Abchasien wählt - Georgien fühlt sich provoziert

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Die von Georgien abtrünnige Region Abchasien hat einen neuen Präsidenten gewählt – zum erstenmal nach dem Südkaukasuskrieg im August 2008. Die Wahlleitung sprach von einer regen Beteiligung der rund 130.000 Wahlberechtigten. Erste Ergebnisse werden für Sonntag erwartet.

Mit der Abstimmung will die Schwarzmeerregion ihre nur von Russland, Nicaragua und Venezuela anerkannte Unabhängigkeit untermauern. Amtsinhaber Sergej Bagapsch – einer von fünf Kandidaten – zeigte sich siegessicher. Abchasien wähle nicht nur einen Führer, sondern auch den künftigen Kurs des Landes als “souveräne Republik”, sagte er. Bagapsch: “Eine Wahl ist immer ein einschneidendes Ereignis – besonders für unser Land, das zum erstenmal eine demokratische Wahl als unabhängiger, anerkannter Staat abhält.” Georgien hatte in fünf Tagen Krieg mit Russland die Kontrolle über Abchasien verloren. Das Gebiet liegt am Schwarzen Meer und ist etwa halb so groß wie Thüringen. Georgien nannte die Abstimmung eine Provokation und erklärte sie für ungültig. Manana Manjgaladze, Sprecherin des georgischen Präsidenten: “Der Präsident hält es für unmoralisch, dass der Kreml in einem besetzten Abchasien diese Art von Show veranstaltet. Wichtiger wäre, die Entführungen zu stoppen, den Aufbau einer neuen Berliner Mauer und ethnische Diskriminierung.” Georgien erhebt weiter Anspruch auf Abchasien – wie auch auf die ebenfalls abtrünnige Region Südossetien. EU und USA stützen diese Auffassung. Am Wahltag war ein Großaufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz, um Störungen zu verhindern. Russland hat als Schutzmacht tausende Soldaten in Abchasien stationiert. Nach Berichten georgischer Medien sollen die Militärs Wähler zur Abstimmung getrieben haben. Die abchasische Führung in Suchumi wies diese Vorwürfe zurück.