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Es fährt ein Zug nach Sarajewo

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Es fährt ein Zug nach Sarajewo

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Ein freundlicher Zug zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina: Zum erstenmal seit dem Bosnien-Krieg (1992-95) verkehrt wieder eine Bahn zwischen Belgrad und Sarajewo. Der erste Expresszug 451 startete in der serbischen Hauptstadt – für die rund 200 Kilometer sitzen die Passagiere neun Stunden lang im Zug – länger als in einem Transatlantikflug.

Zwei Passagiere – Edim Hadziomerovic: “Ich muss beinahe zweimal wöchentlich nach Mostar – da bedeutet für mich als älteren Menschen eine Zugverbindung eine Menge. Man kann herumlaufen, auf die Toilette gehen – anders als im Bus. Ich bin traurig und froh zugleich.” und Franciska Wicker: “Ich bin gerührt. Ich habe das Gefühl, das ist ein historischer Moment – obwohl es gar nicht danach aussieht. Nur eine Menge Journalisten und eine Handvoll Reisende. Aber trotzdem ein besonderes Gefühl.” Lok und – beheizter – Speisewagen sind serbisch, die beiden übrigen, ungeheizten Wagen kommen aus Bosnien – je einer aus der serbischen Teilrepublik Republika Srpska und aus der muslimisch-kroatischen Föderation. Schaffner Braco Dzajic: “Ich bin ja schon ein alter Schaffner. 31 Jahre schon. Früher war der Zug so voll, da war in den Gängen kein Durchkommen. Bis zu 600 Fahrgäste in 12, 13 Wagons.” Auch für die wenigen Reisenden ist die neue Normalität ein bitterer Weg durch die Trümmer des zerfallenen Jugoslawiens: Erst geht es durch Nordserbien, dann über die Grenze nach Kroatien und schliesslich Richtung südwest weiter nach Bosnien.