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Politischer Streit nach Angriff auf Berlusconi

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Politischer Streit nach Angriff auf Berlusconi

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Der bei einem Angriff verletzte italienische Regierungschef Silvio Berlusconi wird das Krankenhaus morgen verlassen. Dies teilte sein Leibarzt in Mailand mit. Vor dem Krankenhaus bekundeten zahlreiche Menschen ihre Solidarität. Unterdessen mehrt sich die Kritik an den Sicherheitskräften, doch Innenminister Roberto Maroni erklärte im Parlament, deren Aufgaben sei in einer Menschenmenge besonders schwierig. Maroni beklagte eine in jüngster Zeit immer heftigere Kampagne gegen den Ministerpräsidenten und vor allem gegen die Person Berlusconis. In vielen Fällen seien dabei die Grenzen der legitimen demokratischen Auseinandersetzung überschritten worden. So sei es zu einer gefährlichen Spirale der Nachahmung gekommen.

Berlusconis eigene Zeitung spricht von einem organisierten Attentat. Die oppositionelle Repubblica sieht das anders. Ein Politikprofessor an der Amerikanischen Universität in Rom sprach von einem Zyklus der politischen Umbrüche in der italienischen Geschichte: Seit der staatlichen Einigung vor fast 140 Jahren sei es in jeder Generation, also ungefähr alle zwanzig Jahre, zu revolutionären Veränderungen gekommen, sagte James Walston. Anfang der Neunziger Jahre sei die Revolution friedlich verlaufen. Nun sei es wieder soweit, die Voraussetzungen für eine Art Revolution seien gegeben, Berlusconi werde die politische Bühne bald verlassen, und ob die kommenden Umbrüche gewaltsam verlaufen würden, hänge sehr von Berlusconi ab und von dem Verhalten seiner Anhänger und der Opposition.

Am Sonntagabend hatte ein 42-jähriger dem Ministerpräsidenten nach einer Wahlkampf-veranstaltung eine Nachbildung des Mailänder Doms ins Gesicht geschleudert. Der Täter erklärte, er habe eine politische Abneigung gegen Berlusconi und dessen Partei. Doch nach Angaben seiner Familie ist der Täter psychisch labil und nicht politisch aktiv.