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Rumäniens unfriedliche Revolution

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Rumäniens unfriedliche Revolution

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In Timisoara – deutsch: Temeswar – begann es als eine Rebellion, in der angestaute Wut ausbrach, sagt 20 Jahre später der Journalist Raico Cornea.
Der Sportlehrer Ion Banicu meint: “ Das Leben selbst trieb uns auf die Straße – und Gott. Nichts kam zufällig. Es war ein Wunder in Timisoara und dann im ganzen Land.”
Und der damalige Offizier Nicolae Durac erinnert sich an seine Hilflosigkeit.

Den Anlaß für erste Demonstrationen in der Stadt im Banat, im Westen Rumäniens, lieferte ein protestantischer Geistlicher, der ähnlich wie einige seiner Glaubensbrüder in der DDR in seiner Kirche Kritik am System übte.
Daraufhin sollte der unbequeme Pfarrer strafversetzt werden. Am 15. Dezember hatten Demonstranten dem Bürgermeister das Versprechen abgetrotzt, dass Laszlo Tökes bleiben könne.
20 Jahre später berichtet der Pfarrer der ungarischen reformierten Gemeinde über den Ablauf jener historischen Tage. “Die Solidaritärsaktionen begannen am 15. Dezember, weil wir am 17. abgeschoben werden sollten. Tag und Nacht war meine Kirche von einer demonstrierenden Menge umgeben. In den ersten Tagen ging es nur um Solidarität mit einem Geistlichen.
Am 16. aber wurde daraus ein genereller Protest gegen die unerträglichen Lebensumstände in diesem Regime und ein anti-kommunistischer Aufstand.”

Am nächsten Tag wurde die Stadt abgeriegelt.
Miliz und Geheimdienst bekamen aus der Hauptstadt den Befehl, die Menge auseinanderzutreiben. Das gelang nicht.
Die Demonstranten stürmten das Kreisparteikomitee. Am 17.Dezember, einem Sonntag, fielen gegen Mittag die ersten Schüsse.
Im Kreiskrankenhaus wurden 58 Tote registriert.

Der Offizier Nicolae Durac weigerte sich, seinen Leuten den Schießbefehl zu erteilen. Er habe gehofft, sagt er heute, dass andere seinem Beispiel folgen würden. Aber so kam es nicht.

1999 wurden zwei Generäle wegen der Schüsse auf Zivilisten zu 15 Jahren Haft verurteilt.