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Gipfelchaos in Kopenhagen

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Gipfelchaos in Kopenhagen

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Eigentlich sollte beim Klimagipfel die Welt gerettet werden – aber zunächst wurde sie nur ein wenig chaotischer. Sogar Nobelpreisträger Rajendra Pachauri musste zum Telefon greifen, um überhaupt ins Kongresszentrum zu gelangen. Denn das für 15.000 Menschen zugelassene Zentrum war mit 45.000 Teilnehmern hoffnungslos überlastet.

Chaos auch im Inneren – das Verhandlungsleiterin Connie Hedegaard zu spüren bekam, als sie unvermittelt abgelöst wurde. Dennoch blieb sie gelassen. “Es ist ein bisschen chaotisch”, meinte sie, “ein bisschen mehr als normalerweise bei solchen Veranstaltungen kurz vor dem Ende, aber man sollte nicht unterschätzen, dass hier viele Menschen harte Arbeit leisten.”

Harte Arbeit war es oft schon, überhaupt bis zum Eingang vorzudringen. Auch mancher Delegierte schaffte es nicht rechtzeitig zu den Sitzungen, Hunderte Menschen warteten vergeblich in der Kälte, die Sicherheitskräfte schienen ebenfalls heillos überfordert. Journalisten beklagten, dass sie, einmal im Gebäude, nicht mehr hinauskämen – und auch sie mussten warten. “Ich habe von einem Journalisten gehört”, erzählt ein Besucher, “dass er neun Stunden für eine Akkreditierung warten musste, das ist schon gewaltig.” Und ein anderer beklagt sich darüber, dass die Vertreter der NGO’s nicht an den Beratungen teilnehmen durften: “Unglaublich, dass man die NGO’s ausgeschlossen hat. Viele von ihnen arbeiten mit den Vereinten Nationen zusammen. Es ist erniedrigend für sie, in letzter Minute ausgeschlossen zu werden.”

Beleidigte NGO’s, verärgerte Teilnehmer, eine ständig wechselnde Tagesordnung – und Tausende Demonstranten auf der Straße. Mehr als 200 wurden festgenommen, Tränengas und Schlagstöcke waren im Einsatz, beim wahrscheinlich chaotischsten Klimagipfel der Welt.