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Timisoara - 20 Jahre danach

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Timisoara - 20 Jahre danach

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Im Dezember 1989 gesch auf dem Opernplatz im westrumänischen Timiseora – deutsch Temeswar – nie zuvor Gehörtes. Demonstranten verlangtes lautstark nach Freiheit. Ein unerhörtes Ereignis im Rumänien der kommunistischen Familiendiktatur Ceaucescu. Was als Widerstand gegen die Strafversetzung eines beliebten protestantischen Pfarrers begonnen hatte, nahm revolutionäre Ausmaße an.
Der gleiche Ort heisst heute “Platz der Freiheit”,
Heute gibt es hier ein Museum, in dem vor der Fahne mit dem Loch – damals hatten die Leute das Symbol des Kommunismus aus der Landesfahne herausgeschnitten – Traian Orban daran erinnert, wie sie in der Menge einander Mut machten – schließlich gab es ja auch noch das Militär.
Als das Militär am 17. Dezember erstmals auf die Demonstranten schoß, wurde er ins Bein getroffen.
In den Fassaden der Häuser von Timisoara wurden die Einschußlöcher bis heute nicht übertüncht.
Anders als manche Erinnerungen im Tage später überraschend flott gewendeten Rumänien.

Der Schießbefehl könnte eine der letzten Entscheidungen des mehr als 25 Jahre herrschenden Partei- und Staatschefs Nicolae Ceaucescu gewesen sein.

In Timisoara haben sie ihren Toten vom 17. Dezember eine Gedenkstätte gewidmet.
Da steht auch der Name “Andrei Maria, 25 Jahre alt”. Ihre Leiche wurden mit 43 anderen im Kühlwagen des Fleischkombinats zur schnellen Einäscherung nach Bukarest gefahren, so dass keine Identifizierung mehr möglich war.
Marias Schwester Camelia erzählt, wie die Eltern, die nicht in der Stadt lebten, am 5. Januar herkamen, um die Sterbeurkunde abzuholen.
Ironie der Geschichte – einen Tag später brachte die überlebende Schwester ihr Kind zur Welt.

Geanina Juganuru besucht auch oft eine Gedenkstätte, jene für ihren Vater. Sie war 10 Jahre alt, als man ihren erschossenen Vater nach Hause brachte. In einem ehemaligen General,
der später an der Universität einer ihrer Professoren wurde, meinte sie den Verantwortlichen für den Tod ihres Vaters erkannt zu haben. Sie weigerte sich, in seinen Unterricht zu gehen. Viele Kommilitonen erklärten sich mit ihr solidarisch.

In keinem der ehemaligen Ostblockländer verlief der Umsturz so blutig – und nirgendswo anders ist so wenig aufgeklärt wie in Rumänien.