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Das Ende von Ceaucescau

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Das Ende von Ceaucescau

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25. Dezember 1989, 13 Uhr. Der Ort: Eine Kaserne der rumänische Armee in Targovister, knapp 100 Kilomter nordwestlich von Bukarest. Aus den Beschützern von Diktator Ceaucescau waren plötzlich seine Kerkermeister geworden. Was hier stattfand, war ein Standgericht.

Ein außerordentliches Militärtribunal urteilte über das Ehepaar Ceaucescu. Beiden, Elena und Nicolae, wurde Völkermord an 64.000 rumänischen Bürgern vorgeworfen – durch Hunger, Kälte, fehlende medizinische Versorgung. Dazu Unterminierung der Staatsmacht und der nationalen Wirtschaft.

Um 14 Uhr 40 sprach ein Oberst das Todesurteil. Zehn Minuten später wurde es vollstreckt. Warum es die so rasch gewendeten eben noch Genossen der Verurteilten mit der Hinrichtung so eilig hatten, wird wohl nicht mehr aufzuklären sein.

Bukarest am Tag danach. Wann genau die Armee die Seiten gewechselt hatte, ist auch nicht mehr genau nachzuvollziehen. Jedenfalls schnitten nun auch die Soldaten das kommunistische Symbol aus der Fahne und alle waren für die Revolution.

Der Historiker Bogdan Murescu spricht von der Zerrissenheit im Lande, die auf Ceaucescus Verschwinden folgte. Gestritten wurde über den Weg, den die Revolution nehmen sollte, über die politischen und ideologischen Aspekte.

20 Jahre später ist das alles Geschichte. Das Leben ist keineswegs für alle Rumänen besser geworden. An mancher Straßenecke erinnert noch ein Tafel an Vergangenes.

Der Rockmusiker, der damals auch auf der Straße war, spricht von verlorenen sozialen Idealen, von Leuten, die sich nicht mehr Sozialisten nennen wollen.

Die inzwischen alte Frau hingegen bekennt, manchmal der Disziplin unter Ceaucescu nachzutrauern. Sie meint, die Freiheit werden heute oft mißverstanden, jeden tue nur noch, was für ihn selbst gut sei.

Man könnte fast mit Heine sagen: Auf “himmelhoch jauchzend” folgte in Rumänien ein “ zu Tode betrübt”. Auch für das nunmehrige EU-Mitglied reifen noch lange keine Blütenträume.

Der Journalist Raico Cornea fasst seine Bilanz in die Worte: “In den ersten Tagen der Revolution sagten wir uns: Wir wollen leben wie in Amerika. Nach einiger Zeit hieß es dann: Wir wollen leben wie in Deutschland.

Zwei, drei, fünf Jahre später wollten wir leben wie in Österreich. Und nach 20 Jahren messen wir uns nur noch an Ungarn.”

Mit Aufklärung der Ereignisse von 1989 muss man in Rumänien nicht rechnen. Dazu waren die neuen Herren zu eng mit dem alten Regime verbunden.