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Kasachstan - historisch

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Kasachstan - historisch

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Kasachstan ist das Land, das im Januar den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – OSZE – übernehmen wird. Geografisch liegt Kasachstan zwar in Asien. Historisch ist es allerdings eng mit Europa verbunden. Zum Beispiel durch die 1941 von der Wolga in die kasachische Steppe deportierten Deutschen, deren “Autonome Republik” Stalin hatte auflösen lassen.

An ihr Schicksal erinnert heute ein Museum in Dolinka. Hier arbeitet auch der deutsche Historiker Achim Schmillen, der zum Umgang mit diesem Teil der Geschichte sagt: “Also ich würde nicht sagen, dass es unbedingt ein Tabu-Thema ist, aber etwas, was sehr am Rande nur diskutiert wird, obwohl es eigentlich einen viel höheren Stellenwert für die Geschichte hat.”

Geschichte heißt hier, dass nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion ganze Volksgruppen als “unzuverlässig” eingestuft und kollektiv mit Deportation bestraft wurden.
Es entstanden auch hier Straflager, die berüchtigten GULAG. Wie also umgehen mit dieser Geschichte? Stalin, der dazumal Allmächtige, trug die Verantwortung. Trotzdem erlebt man vor allem in Russland eine regelrechte “Stalin-Renaissance”.

Die Journalistin Jekatarina Kusnjewtzowa sieht dahinter die Sehnsucht der Leute nach einer “starken Hand”, die in unsicheren Zeiten für Ordnung sorgt. Sie sagt: “ силна рука”, die “starke Hand” hat noch nie Freiheit gebracht.”

Es gibt hier auch ein Denkmal für Stalins Opfer, immerhin in einem öffentlichen Park.
Das sei aber zuwenig, um die Geschichte aufzuarbeiten, meint einer der letzten noch lebenden GULAG-Häftlinge.

“Am 1. Mai, am Jahrestag der Oktoberrevolution tragen sie Bilder von Stalin und Lenin, junge Leute marschieren damit durch die Straßen”, sagt Michael Schuljow. Das schockiert ihn. Er meint, diese jungen Leute müssten erfahren, wer die auf den Bildern waren.

Zwar hat der russische Präsident Dimitri Medwedjew gerade erst bekundet, dass nichts die Stalinsche Unterdrückungspolitik rechtfertigen könne. Doch am 21. Dezember – Stalins 130. Geburtstag – konnte man nicht nur in Moskau sehen, wieviele ehemalige Sowjetbürger in dem Diktator immer noch zuerst den “Vater der Völker” sehen – wie er sich so gern nennen ließ.