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Harte Strafen in "Ehrenmord"Prozess

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Harte Strafen in "Ehrenmord"Prozess

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Für die Familienehre ließ dieser Mann morden: Dafür
hat ihn das Landgericht Kleve in Nordrhein-Westfalen heute zu lebenslanger Haft verurteilt. Der
Fünfzigjährige steht im niederrheinischen Rees einer
kurdischen Einwandererfamilie vor, die er nach strengen Regeln führt – wie in der alten Heimat.

Seine Tochter Gülsüm, zwanzig Jahre alt, entzog sich aber solchen Zwängen und lebte lieber ihr eigenes Leben, so wie viele deutsche Frauen.

“Dem soll zugrundeliegen”, beschreibt Gerichtssprecher Gerhard van Gemmeren die Vorwürfe; “dass den Angeklagten die westliche Lebenseinstellung des Tatopfers nicht gefallen haben soll und sie deswegen ihre Schwester – beziehungsweise Tochter – ermordet haben sollen.”

Ausgeführt hat den Mord ein Bruder von Gülsüm, zusammen mit einem Helfer – ihre Strafen: neuneinhalb Jahre Haft wegen Mord, siebeneinhalb Jahre wegen Beihilfe. Das Urteil gegen den Vater hat allerdings Seltenheitswert: Dass ein Familienvorstand einen solchen Mord anordnet, kann normalerweise nie bewiesen werden. Der Mann
will das Urteil gegen ihn aber noch anfechten.

Auch der Anwalt von Gülsüms Bruder betont jedoch die maßgebliche Rolle des Vaters: “Ich denke”, sagt Hans Reinhardt, “dass mein Mandant völlig in ein Wertesystem eingebunden war, das ihm gar keinen Handlungsspielraum ließ. Er musste die Tat durchführen, weil es von ihm erwartet wurde.”

Gülsüm hatte eine Abtreibung hinter sich, hatte einen Freund und wehrte sich gegen die Zwangsverheiratung mit einem entfernten Verwandten aus der Türkei: Für ihren Vater war das zuviel: Die Familienehre sah er befleckt, seine Tochter musste sterben – brutal erschlagen vom eigenen Bruder.