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Neuer Anschlag in Unruheprovinz Dagestan

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Neuer Anschlag in Unruheprovinz Dagestan

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Sie sind mittlerweile blutiger Alltag: Die Anschläge in der russischen Teilrepublik Dagestan, im nördlichen Kaukasus. Am Mittwoch war es eine Autobombe, die ein Mann in der Hauptstadt Machatschkala an der Zufahrt zu einer Polizeistation zur Explosion brachte – mindestens sieben Tote und fünfzehn Verletzte.

Das russische Militär versucht, mit den im benachbarten Tschtschenien bereits erprobten Methoden des Aufstandes Herr zu werden. Dennoch bekommen die Rebellen, die im mehrheitlich muslimischen Nordkaukasus ein islamisches Emirat errichten wollen, immer mehr Zulauf, und die Region wird für Moskau immer weniger kontrollierbar.

1999 hatten fundamentalistische Tschetschenen unter ihrem Anführer Schamil Bassajew in Dagestan den Aufstand geprobt, waren jedoch von russischen Truppen und teilweise von den Dagestanern selbst zurückgeworfen worden. Seit April letzten Jahres ist der Tschetschenienkrieg offiziell beendet.

Doch die russischen Truppen sind nur zu einem kleinen Teil abgezogen. Anschläge, politische Morde, Entführungen und andere Menschenrechtsverletzungen sind auch in der tchetschenischen Hauptstadt Grosny noch immer an der Tagesordnung. Und der Aufruhr hat sich inzwischen auf die gesamte Region ausgedehnt, auf Inguschetien, Nordossetien und eben Dagestan.

Nach dem Mord am Innenminister Dagestans im Juni letzten Jahres absolvierte der russische Staatspräsident Dmitri Medwedjew in der Region einen Überraschungsbesuch. Später räumte Medwedjew ein, dass Armut und Perspektivlosigkeit viele junge Menschen in die Arme der Rebellen trieben. Gut gebrüllt, Löwe: Die Arbeitslosigkeit im Nordkaukasus liegt bei etwa 50 Prozent, und die traditionell starken sozialen Beziehungen erodieren. So ist heute eine fanatische Auslegung des Islam das einende Band, das vor allem immer mehr Jugendliche anzieht. Moskau rätselt noch, wie es dieses Phänomens Herr werden soll.