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Papst fordert mehr Ökologie und weniger Egoismus

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Papst fordert mehr Ökologie und weniger Egoismus

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Papst Benedikt XVI hat die “wirtschaftlichen und politischen Widerstände” im Kampf gegen die Umweltzerstörung kritisiert.
 
In seiner Rede vor den Botschaftern beim Vatikan bedauerte er, dass die politischen Führer der Welt im vergangenen Monat in Kopenhagen kein neues Abkommen zum Klimawandel zustandegebracht haben. Der Weltfrieden hänge von der Wahrung der Schöpfung Gottes ab.
 
Der Schutz der Natur sei keine Frage der Ästhetik, sondern der Moral. Da gehe es um das Schicksal ganzer Länder, etwa der bedrohten Inselstaaten. Der Egoismus der Menschen verwunde die Schöpfung auf vielerlei Weise.
 
In der alljährlichen Rede vor den Botschaftern beim Vatikan pflegt der Papst laut über Fragen nachzudenken, die der Vatikan in seinen Aussenbeziehungen besonders betonen will.
  
euronews sprach darüber mit einem international anerkannten Vatikanologen.
 
euronews: 
Alessandro Magister, was bedeuten diese Einlassungen des Papstes für die Außenpolitik des Vatikans im Jahr 2010?
 
Alessandro Magister:
Dieses Jahr dreht sich alles um die Verteidigung der Umwelt, die Sicherung der “Schöpfung”. Aber Achtung, es gibt da eine Besonderheit. Benedikt XVI hat sie in seiner Rede vor dem diplomatischen Corps hervorgehoben. Die katholische Kirche unterstützt die weltweiten Bemühungen um die Rettung der Umwelt. Ihre besondere Sicht der Dinge: nach Ansicht des Papstes gibt es eine unumgängliche Verbindung zwischen “der Ökologie der Natur” und “der Ökologie des Menschen.“ 
 
euronews:
Von dieser Vision abgesehen hat sich der Papst zu einer Reihe von Problemen ablehnend geäussert, etwa zum Terrorismus. Heisst das, die Kirche will ihren Pazifismus durch Umweltschutz ausdrücken ?

 
Alessandro Magister:
Nein, auf den einfachen Nenner Pazifismus ist die aktive Präsenz der Kirche in der Welt nicht zu bringen. Einzelne Menschen können Pazifisten sein, nicht ein komplexer Organismus wie ein Staat oder die katholische Kirche. Nach kirchlicher Lehre ist der Staat verpflichtet, Schwache zu schützen, 
Menschen, die angegriffen wurden - auch unter Einsatz von Gewalt.

 
euronews:
Heisst das konkret - die Kirche ist nicht pazifistisch ?
 
Alessandro Magister:
Nein, das ist sie bestimmt nicht. Erinnern Sie sich an Johannes Paul II, der so heftig gegen den Krieg im Irak protestiert hat. Johannes Paul II hat sich selbst definiert als Nicht-Pazifist. Er hat klar gesagt: “Ich bin kein Pazifist.” Oder man erinnere sich daran, wie er zum Einsatz von Gegengewalt aufgerufen hat, als das ehemalige Jugoslawien von Bürgerkrieg und ethnischen Kämpfen zerrissen wurde. Das Gleiche galt für Rwuanda.