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Ärzte in Port-au-Prince hoffnungslos überfordert

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Ärzte in Port-au-Prince hoffnungslos überfordert

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Die medizinische Versorgung der Menschen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince wird immer schwieriger. In rasch errichteten Lazaretten versuchen Ärzte und Krankenschwestern, zu helfen so gut es geht. Offizielle Angaben zur Zahl der Verletzten gibt es nicht, vermutlich sind es mehrere hunderttausend. Die meisten Krankenhäuser sind bei dem Erdbeben eingestürzt, so auch die Klinik, in der Doktor Gary Fish arbeitete. “Es war ein Betongebäude”, erzählt er, “mit stabilen Wänden, aber es brach in sich zusammen. Einige von uns wurden verletzt, manche sehr schwer.”

Es mangelt an allem, an Ärzten, an Medikamenten, denn der ohnehin beschädigte Flughafen ist durch die Masse der Hilfsflüge überlastet. “Wir haben einen Mann behandelt, der am Bein verletzt war”, erzählt die französische Krankenschwester Cécile Letupe. “Das Bein musste amputiert werden, ohne Betäubung. Und das Risiko einer Infektion ist groß, denn wir haben keine Medizin, keine Antibiotika. Eine Tragödie für den Mann!”

Schon vor dem Beben galt die medizinische Versorgung in Haiti als unzureichend. Die meisten Menschen leben knapp an der Armutsgrenze, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt gerade einmal 50 Jahre. Der Ausbruch von Seuchen scheint nur eine Frage der Zeit – und Dr. Eric Laroche von der Weltgesundheitsorganisation ist höchst besorgt: “Hier grassierte die Cholera, die Menschen sind unterernährt, viele sind HIV positiv. Das ergibt eine gefährliche Mischung und wenn man da nicht auf das Schlimmste vorbereitet ist, wird man den Kampf verlieren.”

Da die Lazarette hoffnungslos überfüllt sind, müssen viele Menschen auf der Straße behandelt werden. Das deutsche Rote Kreuz schickt am Freitag eine mobile Klinik nach Haiti, in der bis zu 30.000 Patienten ambulant versorgt werden können.