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"Das Leben ist ein Wunder" - selbst in der Kulisse

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"Das Leben ist ein Wunder" - selbst in der Kulisse

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Serbien, fünf Autostunden von Belgrad entfernt, knapp vor der bosnischen Grenze: Küstendorf ist ein kleiner Ort, gleich beim Naturschutzgebiet von Tara. Das Dorf auf einem Hügel sieht alt aus, steht aber in Wahrheit erst seit wenigen Jahren.

Eigentlich ist es eine Filmkulisse – aufgebaut für Filmemacher Emir Kusturica aus alten Häusern der Umgebung. Er entdeckte die Gegend bei den Dreharbeiten zu “Das Leben ist ein Wunder” im Jahr 2004. Jetzt lebt er zeitweise hier – wie auch in Belgrad und Paris als Teil einer Touristenattraktion mit Hotel, Läden und Filmkulissen unter freiem Himmel. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Vor drei Jahren hat er hier ein Film Festival auf die Beine gestellt, Eintritt frei, mit Zigeuner-Musik-Konzerten am Abend.

Emir Kusturica:
“Der Bau des Dorfes hat, wie alles in meinem Leben, klein angefangen. Wie die Filme hat die Idee dann ein enormes Eigenleben entwickelt. Der Ort begann als Inspiration und wurde mit jeder Film-Einstellung von “Das Leben ist ein Wunder” realer.

Und das Festival hier entstand aus der Erkenntnis: Wenn man Kinofilme machen will, muss man die Leute treffen, die gute Filme machen.

Festivals sind mein Leben – Cannes und so weiter. Aber die etablierten Festivals sind zu groß, zu hippelig. Der Nachwuchs bekommt nur Leibwächter zu sehen und kommt an interessante Leute nicht heran.”

Im Rahmen des Festivals werden kostenlos eine Reihe Meisterkurse angeboten. In diesem Jahr sind es nicht weniger als sieben, unter anderem mit Pavel Lungin, Jim Jarmush, Johnny Depp, Fatih Akin. “Kunden” sind vor allem Film-Studenten und junge Filmemacher, die ihre Kurzfilme im Wettbewerb präsentieren.

Die zwei Filmtheater im Dorf verfügen über die bestmögliche Ausstattung, obwohl sie aussehen wie Heuschober.

Den Wettbewerb bestreiten 30 Kurzfilme junger Filmemacher aus der ganzen Welt.

Jurypräsidentin Marjane Satrapi, Regisseurin von “Persepolis”:

“Es gibt kleine Festivals und große, und je mehr es werden, desto besser. Heutzutage weiss jeder was zu sagen über den Niedergang des Kinofilms, über Digitalisierung, 3D, dass alle Welt Filme im Internet sehen wird etc.

Aber das ist alles Quatsch! Das Filmerlebnis findet in einem Kino statt, in einem dunklen Raum, in dem man sich auf einer Großleinwand etwas ansieht, zusammen mit anderen Menschen. Keiner kann mal eben den Film anhalten, weil er mal raus muss. Man kommt wirklich zusammen, um einen Film zu sehen und das ist ein einmaliges Erlebnis.”