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Kasachstans wirtschaftliche Herausforderungen

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Kasachstans wirtschaftliche Herausforderungen

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Kasachstan, Zentralasiens größte Wirtschaftsmacht, hat seit Mitte Januar den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der OSZE, inne – als erster Staat der ehemaligen Sowjetunion.

Kasachstans größte Sorge gilt momentan jedoch sich selbst, um die eigene Rezession zu umschiffen. Nach fetten Jahren mit Gewinnen aus dem Ölgeschäft geht es mit der Wirtschaft rapide bergab.

Auf die Krise reagierte Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew zunächst mit einer Abwertung der Währung, dann übernahm er die Kontrolle über die größten Banken und pumpte massiv Staatsgelder in die Wirtschaft. Gegenüber Euronews sagte der kasachische Präsident: “Als auf der ganzen Welt die Firmen dicht machten, haben wir 170 neue Firmen geschaffen und damit 400.000 neue Jobs. Bei uns ist die Arbeitslosigkeit nicht angestiegen. Im Gegenteil: Die Erwerbslosenquote ist von 7,5 Prozent auf sechs Prozent gefallen und wir haben das alles alleine ohne fremde Hilfe geschafft.”

Kasachstan ist aus Sicht des Westens ein wichtiger Stabilitätsfaktor in einer unruhigen Region, – Afghanistan ist nahe. Kasachstan, das rohstoffreiche Land, ist vor allem ein wichtiger Energielieferant für den Westen. Es hat sein schelles Wachstum im vergangenen Jahrzehnt hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, dass viele Ausländer in den attraktiven Ölsektor investierten.

Doch für Kasachstan ging die Rechnung “Teures Öl und billiges Geld” nicht auf. Der Ölpreis sank und die kasachischen Banken sind am Ende. Schluss mit der Liquidität, den Krediten.

Der norwegische Geschäftsmann Simen Munter glaubt nach wie vor an den Geschäftsplatz Kasachstan. Er meint: “Natürlich gibt es Herausforderungen, aber es gibt auch eine Menge Möglichkeiten. Und man darf nicht vergessen: Kasachstan ist guten Willens, Investoren anzuziehen, damit sich das Land weiter entwickeln kann.”

Staatliche Intervention hat bisher als Notmaßnahme funktioniert, doch auf längere Zeit gesehen sind in Kasachstan tiefgreifende Reformen nötig, damit das Land weniger abhängig vom Energiesektor und weniger abhängig vom Staat wird.

Universitätsprofessorin Aigul Tulembayeva erklärt: “Die neuen Arbeitsplätze sind alle vom Staat geschaffen worden und das ist die falsche Herangehensweise. Die Wirtschaft muss selbst in der Lage sein, Stellen zu schaffen. Aber das ist nicht der Fall. Statt sich weiter zu entwickeln, stagniert unsere Wirtschaft.”

Für die Kasachen wird es in der Zukunft nicht leicht sein, den Lebenstandard zu halten. Teure Autos, schicke Kleider, schöne Wohnungen.

Die Regierung plant mehr Industrien und will die Landwirtschaft fördern. Weg vom Öl, auf mehr als nur einem Fuss stehen. Wenn dies gelingt, kann Kasachstan an einer Rezession vorbeikommen.

Doch, so die Finanzexperten vorort, mit der Zeit des leichten Geldes ist es vorbei. Wjacheslaw Dodonow vom Institut für Strategische Forschung sagt: “Wir können nicht ernsthaft in den nächsten Jahren dasselbe Wachstum erwarten wie in den vergangenen Jahren, also vor der Krise. Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent sind einfach nicht mehr realistisch. Ich denke, dass die kasachische Wirtschaft schon weiter wachsen wird, aber langsam.”

Eventuell hilft die Krise Kasachstan sogar. Die Ernüchterung, die das Ende eines gedopten Geldmarktes bringt, kann letztendlich für den neuen OSZE-Vorsitzenden nur zu mehr Klarheit und einer stabileren Wirtschaft führen.