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Bilder des Schreckens

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“Wir haben mit unserem Korrespondenten Luis Carballo vor Ort gesprochen. Kann die Situation eskalieren? Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?“ 
 
“Wir müssen die nächsten Stunden und Tage abwarten, aber es gibt natürlich die Gefahr von Gewaltausbrüchen. Fünf Tage nach dem Erdbeben herrscht großes Chaos. In Port-au-Prince funktioniert gar nichts. Aber hier laufen alle Fäden der Rettung zusammen, von hier aus werden auch die Hilfslieferungen koordiniert. Sie können sich vorstellen, wie es im Rest des Landes aussieht. Die Gebiete nahe der Hauptstadt, sind noch stärker als Port-au-Prince betroffen. Zum Beispiel 15 Kilometer entfernt, gibt es Dörfer, die zu neunzig Prozent zerstört wurden. Dort ist nach unseren Informationen noch nicht ein LKW mit Hilfslieferungen angekommen. Wenn man Port-au-Prince verlässt findet man dasselbe vor. Die Menschen verlieren die Nerven. Es ist schwierig und auch sehr heiß. Der Gestank verwesender Leichen ist in vielen Teilen der Stadt kaum auszuhalten. Es gibt kein Wasser, kein Essen, es ist das reinste Chaos. Es ist möglich, dass Gewalt zwischen Menschen ausbrechen könnte. Nachdem ich mit vielen gesprochen habe, kann ich es nicht ausschließen.”
 
“Was erzählen Ihnen die Betroffenen?”
 
“Wir haben gestern eine der am meisten betroffenen Gebiete Canape Vert, vier Kilometer entfernt vom Zentrum der Hauptstadt, besucht. Wir sind allein dorthin, ohne Konvoi, ohne Begleitschutz. Wir sind dorthin gekommen und waren die ersten Ausländer dort. Sie erzählten uns, wie schlecht es ihnen geht, sie haben nichts. Hilfslieferungen kommen nicht an, nicht mal eine Flasche Wasser. Wir haben einige für sie mitgebracht. Die Menschen hier sind an Katstrophen gewöhnt, sie sind ein stoisches Volk. Sie tragen diese schwierige Situation mit Würde, aber sie leiden.”