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Korrespondent Luis Carballo: Haiti außer Kontrolle

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Korrespondent Luis Carballo: Haiti außer Kontrolle

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Aus Port-au-Prince meldet sich, nach einer langen Reise, euronews-Korrespondent Luis Carballo:

“Hier in Port-au-Prince konnten wir gleich am ersten Tag sehen, dass Haiti mehr als je zuvor außer Kontrolle ist.

Wir verbrachten viel Zeit in Canapé Vert, einem Vorort der Hauptstadt, eine trostlose Gegend, wie etwa Slums in Brasilien. Aber hier haben wir tausende zerstörter Häuser gesehen und Leichen am Straßenrand, fünf Tage nach dem schrecklichen Erdbebeben! Hier kommt keine Hilfe an, die Helfer kommen hier nur sporadisch vorbei, und auch wenn die Nachbarn wissen, wo Menschen verschüttet sind: Sie haben einfach keine Möglichkeit, sie zu bergen, das ist ein großes Drama. Die Haitianer müssen hier meistens allein klar kommen, mit bloßen Händen und den wenigen Werkzeugen, die ihnen geblieben sind.

Wir haben nur wenige US-Soldaten gesehen, außer hier am Flughafen, wo sie nicht aufhören, anzukommen. In den Straßen, zumindest wo wir hinkamen, waren auch wenige UNO-Blauhelme.

Es ist sehr schwierig, sich in der haitianischen Hauptstadt fortzubewegen, die Straßen sind noch immer voller Leichen und kaputter Autos. Mehrere Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass die Hälfte aller Gebäude von Port-au-Prince beschädigt ist. Es gibt keinen Strom, selbst der Flughafen arbeitet mit Generatoren. Essen und Trinken sind knapp, sehr teuer, und sehr schwer zu finden.

Der Staat existiert einfach nicht mehr in Haiti, auch wenn uns einige Diplomaten sagten, sie fragten sich, ob er jemals existiert habe.”