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Polen verlangen Entschädigung für Nazi-Enteignungen

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Polen verlangen Entschädigung für Nazi-Enteignungen

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Hunderte Familien in polnischen Dörfern rund um das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz haben Entschädigungszahlungen verlangt. Beim Bau des Lagers hatten die Nazis Grundstücke und Gebäude konfisziert – etwa das Elternhaus von Marian Barus. Wie viele andere Betroffene verlangt auch er Wiedergutmachung für die erlittenen Verluste. “Damals war alles sehr verwirrend”, erinnert er sich, “viele verloren ihren Besitz. Das Vieh, die Kühe oder Pferde, die niemand mitgenommen hatte, liefen hier durch das Dorf, denn die Nazis hatten uns verboten, sie an uns zu nehmen. Alle waren vor Angst wie gelähmt, es war schrecklich.”

Rund 8000 Familien in acht Dörfern wurden wegen der Bauarbeiten für Auschwitz und Birkenau enteignet. Im Rathaus im Dorf Oswiecim sammeln die Bürger alte Dokumente und Fotos, um ihre Ansprüche zu untermauern. “Die Umstände dieser Enteignungen waren brutal”, so der Sprecher des Auschwitz-Museums, Jaroslaw Mensfelt. “Junge Leute wurden wie Sklaven behandelt, man kann es nicht anders sagen, und zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt. Und viele Menschen wurden in ganz andere Gegenden umgesiedelt.”

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kamen die Sowjets, aber sie wiesen die Ansprüche der ehemaligen Besitzer der Grundstücke zurück. Nun hoffen die Dorfbewohner, wenigstens jetzt eine Entschädigung zu erhalten.