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Architektenstiftung hilft Haiti

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Architektenstiftung hilft Haiti

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Haiti wieder bewohnbar zu machen, das ist eine Arbeit von noch unüberschaubar gigantischen Ausmaßen. Sie wird Jahre in Anspruch nehmen.
Und die Haitianer werden es auf keinen Fall allein schaffen. Daher ist die Hilfe einer Stiftung mit Namen “architectes de l’urgence” höchst willkommen.
Patrick Coulombel ist der Präsident dieser seit 2001 bestehenden Vereinigung von Fachleuten, die schon nach dem Tsumani in mehreren betroffenen Ländern gehofen hat. Sophie Desjardin erfragte für euronews seine Sicht auf die Probleme und Chancen von Haiti

Monsieur Coulombel,
die Stiftung “architectes de l´urgence”, der Sie seit 2001 als Präsident vorstehen, hat schon in 24 Ländern geholfen, zuletzt in Haiti.
Erklären Sie doch bitte genauer, wie Sie vor Ort arbeiten.

Patrick Coulombel
Unsere Teams arbeiten in Notsituationen vor Ort, um Gebäude zu sichern, um den Menschen so schnell wie möglich die Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen, und zwar unter sicheren Bedingungen – oder eventuell Gebäude zu evakuieren, die wir als gefährlich einschätzen.

euronews
Es stehen noch Gebäude in Haiti, wenn Sie ankommen.
Meinen Sie, man muss alles abreißen und auf solider Basis neu aufbauen?

Patrick Coulombel
Nein, ich glaube, man muss das etwas optimistischer sehen. Es sind Gebäude eingestürzt und müssen wieder aufgebaut werden.
Es sind Gebäude beschädigt, die man reparieren kann, bei denen Stabilisierungsmaßnahmen vorgenommen werden können, um die Gefahren zu bannen. Und auf der anderen Seite kann man das machen, was wir als “Ausbau” oder “Verstärkung” bezeichnen. Das ist eine Arbeit, bei der vor allem Sachkenntnis gefragt ist, bei der aber vieles machbar ist.

euronews
Was aber, wenn es zu einem vertretbaren Preis möglich ist, eine andere
Art von Wohnhäusern zu errichten, die nicht so gefährlich sind?

Patrick Coulombel
So etwas ist in Haiti und vor allem in Port-au-Prince
interessant. Wir haben festgestellt, dass es dort ziemlich alte Häuser gibt, Holzhäuser, man nennt die dort “Lebkuchenhäuser” nennt, und die haben das Erdbeben weit besser überstanden als Häuser aus Beton. Das soll nicht heißen, dass Betonkonstruktionen grundsätzlich schlecht sind.
Aber bei Betonbauten muss man spezielle technische Regeln beachten, die sich einmal aus dem Material ergeben und dann aus dem Baukonzept. Sicheres Bauen in erdbebengefährdeten Gebieten ist eine relativ komplexe Angelegenheit mit echten Problemen.

euronews
Wie lange wird es Ihrere Meinung nach dauern, wieder einer Million Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben?

Patrick Coulombel
Wohnraum ist das Wichtigste. Es gibt Menschen, die schon lange unter ungesunden Verhältnissen leben. Ohne sauberes Trinkwasser, ohne Strom.
Die haben sich ihre Behausungen nicht auf ordnungsgemäß erschlossenem Bauland errichtet.
Man wird deshalb für die Arbeiten durchaus Jahre einplanen müssen. Wenn man pragmatisch herangeht und es mit den Tsunamifolgen vergleicht, so sieht man, dass dort in 5 Jahren viel erreicht wurde. In einer Stadt wie Banda-aceh zum Beispiel. Man kann sich vorstellen, dass in 5 Jahren einiges zu schaffen ist, aber das ist eine Frage der Mittel. Viele Haitinaer, die die Mittel dazu hatten, sind schon weg. Sie haben Haiti verlassen, weil es für sie zu schwer war, weiter dort zu leben.
Und wenn man will, dass sie zurückkommen, wenn man will, dass die Haitianer, die zwar die Fähigkeiten aber wenig Mittel haben, das Land nicht verlassen, dann muss man dem Land echte Hilfe geben.